Der Palast der Republik vor dem Berliner Dom im Jahre 1988.
Foto: AFP/Jean-Philippe Lacour

Berlin-MitteEinst bildete die Gläserne Blume den Mittelpunkt im Foyer des Palasts der Republik. Doch seit 2006 ruhen deren Einzelteile in einem baufälligen Depot des Deutschen Historischen Museums und damit im Zuständigkeitsbereich von Staatsministerin Grütters. Weil der Berliner Zeitung im Frühjahr 2019 der Zugang zu den verpackten Segmenten der Blume verwehrt worden war, fragte ich in meiner Kolumne vom 5. November: Was ist da los? Daraufhin durften wir ins Depot (siehe den gestrigen Bericht).

Gleichfalls von meiner Kolumne angeregt, fragte Simone Barrientos, Abgeordnete der Linken im Bundestag: „Beabsichtigt die Bundesregierung das kulturpolitisch und historisch bedeutsame Kunstwerk ‚Die gläserne Blume‘ für Ausstellungszwecke zu restaurieren?“ Liest man die Antworten, die Staatsministerin Grütters am 22. November erteilte, muss man sagen: Sie fertigte den Deutschen Bundestag mit Halb- und Unwahrheiten ab: Entgegen dem Urteil der Fachleute des DHM bestritt sie die Restaurierbarkeit der Blume; wahrheitswidrig behauptete sie, „beide“ Schöpfer des monumentalen Glaskunstwerkes sähen „eine Wiederaufstellung des Kunstwerks als unangemessen an“.

Der eine Künstler, Richard Wilhelm, hat öffentlich längst das genaue Gegenteil erklärt („Das Kunstwerk gehört nach Berlin, dort soll es aufgestellt werden“), der Sohn des anderen Miturhebers, Reginald Richter, teilte dieser Zeitung mit, man habe vor Jahren die Blume im Depot besichtigt, und dabei seien mit einem Fachmann, den die Stiftung Humboldt-Forum hinzugezogen habe, „Ideen einer möglichen Technologie zur Restaurierung“ erörtert worden.

Symbol zur Erinnerung

Nachdem vor mehr als zehn Jahren erwogen worden war, die Blume als Erinnerung an den Vorgängerbau Palast der Republik im Humboldt-Forum zu präsentieren, wurde dieser Plan irgendwann verworfen. Zu kompliziert, keine Lust, zu ostig – ich weiß nicht, was die verantwortlichen Damen und Herren bewog, den Mantel des Vergessens über der demontierten Blume auszubreiten.

Aber was wäre jetzt zu tun? Zunächst könnte man den erinnerungspolitischen Scherbenhaufen sichtbar machen. Wie wäre es, wenn die in Holzverschalungen verpackten zehn Blätter der Blume, der Schaft und die gleichfalls zerlegte innere Glaskugel im Humboldt-Forum gezeigt würden – so wie sie sind. Dazu wäre dann die Geschichte des Objekts zu erzählen. Auf Bildschirmen könnten die Meinung des Publikums, der Künstler und Architekten hör- und sichtbar gemacht werden. Da man heutzutage die Partizipation des Publikums liebt, könnten die Kommentare der Besucher fortlaufend filmisch dokumentiert und gezeigt werden, insbesondere derjenigen, die Blume und Palast noch kannten. Am Ende stünde dann womöglich die Restaurierung.

Aber wohin mit dem Großkunstwerk? Hier mein Vorschlag: Wegen afrikanischer Rückforderungen von „völkerkundlichen“ Objekten aus der geplanten, extrem kolonial geprägten Dauerausstellung wird womöglich bald Platz geschaffen. Dann aber wären wir Deutsche jählings auf die Volkskunde unseres eigenen, oftmals seltsam dämonischen Germanenstammes zurückgeworfen. Und neben Originalteilen unserer Kanonenboote, Stukas, Krematorien etc. würde sich die Palastblume dann als Insel der Friedfertigkeit und Selbstbesinnung ausnehmen.