Fröhliche Weihnacht überall... Am Breitscheidplatz ist das seit drei Jahren eine echte Herausforderung.
Foto: Getty Images/Carsten Koall

BerlinRot-weiß-gestreift leuchten dem Besucher Poller auf 40 Zentimeter hohen Rampen entgegen. Es gibt grellgelbe Markierungen. Marktbesucher müssen die Rampen rauf, zwischen den Pollern durch und dann wieder hinunter laufen. Nein, übersehen kann man die Befestigungsanlagen am Breitscheidplatz wirklich nicht. Schon von Weitem wird jeder Besucher registrieren, dass der Platz auch in diesem Jahr wieder gut gesichert ist. Das ist ein eigenartiges Gefühl bei Glühwein und Christstollen.

Ob es dem Geschäft abträglich ist, ist eine andere Frage. Am Montag öffnet zum 36. Mal der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz.

Im dritten Jahr nach dem Anschlag, bei dem der Terrorist Anis Amri 2016 zwölf Menschen getötet hat, versuchen sich die Veranstalter im Schulterschluss mit Polizei und Stadtverwaltung noch einmal in dieser einzigartigen Gratwanderung zwischen maximaler Täterabschreckung und wohligem Weihnachtsgedöns.

Es soll ja alles anders werden beim Thema Sicherheit: schöner, eleganter, unauffälliger. Aber natürlich genauso sicher. Das beteuern Verantwortliche zurzeit allerorten: beim Bezirksamt, im Senat, bei der Polizei.

Die Sicherheitsvorkehrungen sollen nicht auffallen

Im kommenden Jahr soll sich der Weihnachtsmarkt bereits auf einem vollkommen umgebauten Platz präsentieren können. Ohne Lkw-Rampen, ohne mehrstufige Sperrriegel, bestückt mit schweren sandgefüllten Kästen und Drahtgeflechtkörben, randvoll mit Steinen, dafür künftig mit unterirdisch verbundenen Pollern, die in ihrer Schlichtheit nicht so sehr ins Auge fallen.

Aber dieses Jahr müssen sie da noch mal durch, die Veranstalter, die Stadt und die Besucher des Weihnachtsmarkts. Am Donnerstag präsentierten der Verein der ansässigen Geschäftsleute AG City und der Schaustellerverband das diesjährige Programm für den Markt bis zum 5. Januar.

Im Restaurant Hirschstube, einem geräumigen Lokal, das wie in jedem Jahr auf der Südseite des Platzes steht, sieht es an diesem Tag schon ordentlich weihnachtlich aus. Tannenbäumchen, bunte Kugeln, alles ist bereits an seinem Platz, während andere Schausteller auf dem Platz noch schleifen, schrauben und dekorieren.

„36 Jahre Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, das ist eine große Tradition“, sagt Michael Roden, Vorsitzender des Berliner Schaustellerverbands und dann präsentiert er, was den Markt am Breitscheidplatz so angenehm macht: tolle Aufenthaltsqualität, ein Glühweingarten, ausgesuchte Qualität bei dem, was die Händler an Weihnachtsdekoration und Kulinarischem zu bieten haben.

Es gibt erstmals einen griechischen Stand und ganz neu zwischen Holunder-, Erdbeer- und Kirsch- jetzt auch Roséglühwein. „Wir haben so viele Glühweinsorten, dass Sie immer wieder einen Ansporn haben, uns zu besuchen“, wirbt Roden.

Das neue Konzept ist so gut wie fertig

Arne Herz, Charlottenburg-Wilmersdorfs Wirtschaftsstadtrat nimmt den Ton auf. Eine Weihnachtsinsel nennt er den Markt auf dem Platz, aber dann sagt er auch, worum es an diesem Ort gehen muss.

„Dass es Charlottenburg-Wilmersdorf, aber auch dem Land Berlin nach dem Jahr 2016 besonders wichtig ist, der Welt, der Stadt zu zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und die fröhliche Stimmung, die zu Weihnachten gehört, hier zelebrieren“, sagt Herz.

Im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, dass es durch die Sicherungsmaßnahmen zu einer geruhsameren Atmosphäre gekommen sei. Das habe er sich vorher nicht vorstellen können.

Eigentlich wollten der Bezirk und auch andere in diesem Jahr bereits weiter sein, aber die Abstimmungen dauerten zu lange, um noch vor dem Weihnachtsmarkt einen Umbau zu schaffen. Ein neues Sicherheitskonzept ist so gut wie fertig.

Der Breitscheidplatz wird umgebaut

Der Mittelstreifen an der Budapester Straße und am Tauentzien wird erhöht auf bis zu 60 Zentimeter. An der Ecke Kant- und Budapester Straße, dort wo der Lastwagen vor drei Jahren auf den Platz raste, soll ein großer „BERLIN“-Schriftzug in Stahlbetonbuchstaben als eine Art Schutzwall aufgestellt werden.

An der Nord- und der Südseite des Platzes werden Poller einbetoniert, die unter- und oberirdisch miteinander verbunden sind. Sobald die Buden nach dem diesjährigen Markt wieder verschwunden sind, soll der Umbau beginnen.

Das Gedenken an die Opfer des Terroranschlags, die zwölf Toten und die etwa 70 Verletzten, hat dagegen eine Form gefunden. „Eine Kranzniederlegung ist nicht vorgesehen. Es waren sich alle einig, dass wir das so handhaben, weil es keine Grabstätte ist“, sagt Gerd-Peter Huber von der AG City.

Stattdessen gibt es wieder eine Andacht und zwölf Glockenschläge zum Zeitpunkt des Anschlages am 19. Dezember um kurz nach 20 Uhr. Noch laufen Abstimmungen mit den Angehörigen.

Die Polizei wird in diesem Jahr wieder auf vielerlei Ebenen Teil des Marktes sein. Manches soll durchaus wahrnehmbar sein. Es werden Beamte in Uniform zu unterschiedlichsten Zeiten über den Markt patrouillieren.

Die Polizei zeigt ihre Präsenz

Manche werden Maschinenpistolen tragen. Es wird aber auch Zivilkräfte geben. „Ich hoffe, dass über die Jahre die Sicherheit wenigstens optisch ein wenig in den Hintergrund treten wird und wir das alles etwas schöner hinbekommen“, sagt der zuständige Abschnittsleiter der Polizei Dirk Gerasch.

Vorerst gilt für die Polizei allerdings demonstratives Auftreten. Gerasch sagt, die Polizei werde sich nicht verstecken.