Berlin - Sie haben Bittbriefe geschrieben, die Entscheidungsträger genervt und zuletzt vor dem Brandenburger Tor demonstriert. Die Eltern der vor gut zwei Jahren gegründeten Montessori-Gemeinschaftsschule im gutbürgerlichen Steglitz-Zehlendorf wollten erreichen, dass ihre Kinder an der Schule auch das Abitur machen können. Schließlich sei man eine Gemeinschaftsschule, an der alle Kinder von der 1. bis mindestens zur 10. Klasse gemeinsam lernen und eben, wenn möglich, auch Abitur machen sollen. Nun hat die Verwaltung dem Druck nachgegeben: In einem Schreiben genehmigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Schule – als Schulversuch, der nach einigen Jahren überprüft wird. Zuvor muss die Schule aber bis Dezember ihr Konzept überarbeiten.

Der Streit war im Frühjahr eskaliert, als der zuständige Abteilungsleiter Siegfried Arnz plötzlich meinte, dass Schüler von der Montessori-Gemeinschaftsschule doch am kilometerweit entfernten Oberstufenzentrum (OSZ) Bürowirtschaft und Verwaltung ihr Abitur machen sollen. „In diesem Falle hätten viele Eltern ihr Kind nicht mehr bei uns angemeldet, auch die Schulprofile passen nicht zusammen“, sagte Elternvertreterin Manuela Weininger-Kühn. Doch der Abteilungsleiter glaubte, die Schule alleine würde kein vielfältiges Kursangebot machen können.

Forscher warnen vor Spaltung

Hinter dieser Auseinandersetzung in Steglitz-Zehlendorf steckte aber auch ein berlinweit diskutiertes Streitthema. Nämlich die Frage, ob möglichst alle Sekundar- und Gemeinschaftsschulen eine eigene Oberstufe haben sollen oder ob in den meisten Fällen eine Kooperation mit einem OSZ ausreicht. Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann, externes Schulkonferenzmitglied an der erwähnten Gemeinschaftsschule, warnte bereits vor einer Spaltung in Sekundar- und Gemeinschaftsschulen erster und zweiter Klasse, also in Schulen mit oder ohne eigene gymnasiale Oberstufe. Klaus Klemm, ein anderer renommierter Bildungsforscher entgegnet ihm, dass Sekundarschulen jeglichen Typs in den vergangenen Jahren in Berlin an Zuspruch gewonnen hätten. Außerdem hätte fast die Hälfte der Sekundarschulen gar nicht genug Schüler, um ein vielfältiges Kursangebot zu machen.

An der Montessori-Gemeinschaftsschule in Lichterfelde sind Lehrer und Eltern nun erfreut, dass es doch etwas wird mit der eigenen gymnasialen Oberstufe. „Wir freuen uns über die mutige Entscheidung und hoffen, in der Gemeinschaftsschule unseren Teil dazu beizutragen, Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln“, sagte Elternvertreterin Weininger-Kühn.

Unter Auflagen

„Das ursprüngliche Konzept war in mehreren Punkten überarbeitungsbedürftig“, betonte Senatorin Scheeres. Klar sei nun, dass das Montessori-Konzept der Schule in der Oberstufe weitergeführt werden soll. Dazu gehören Freiarbeit, eigenverantwortliches und fächerübergreifendes Arbeiten. Die ursprünglich geplanten „Kosmischen Kurse“, in denen zwei Fächer verschmelzen, waren aber schulrechtlich nicht genehmigungsfähig. Außerdem muss die Schule darauf achten, dass sie in der Oberstufe künftig Leistungs- und Grundkurse auseinanderhält. Dies ist alles bereits in einer Vereinbarung mit Schulleiterin Eva Schmoll schriftlich festgehalten. Mehr Personal gibt es nicht. Bemerkenswert ist, dass in diesem Fall die politische Führung der Bildungsverwaltung anders entschieden hat als der Abteilungsleiter. Nun wird beobachtet, ob der Protest der Eltern in Steglitz-Zehlendorf anderswo in Berlin Nachahmer findet.