Trauer in der Schlosspark-Klinik. Dort wurde nach dem Tod von Fritz von Weizsäcker ein Kondolenzbuch ausgelegt. 
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BerlinSechs Monate ist es her, dass Fritz von Weizsäcker, Chefarzt der Schlosspark-Klinik, erstochen wurde. Bei dem tödlichen Angriff war auch der Polizist Ferrid Brahmi lebensgefährlich verletzt worden. Ab dem 19. Mai muss sich Gregor S. wegen Mordes und versuchten Mordes vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts verantworten.

Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Am Abend des 19. November des vergangenen Jahres hielt Fritz von Weizsäcker, ein Sohn des einstigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, in der Klinik in Charlottenburg einen öffentlichen Vortrag zum Thema Fettleber.

Kurz vor 19 Uhr stürzte sich der 57-jährige Gregor S. aus dem Publikum auf den Professor und rammte ihm ein Messer in den Hals. Der Polizeibeamte Brahmi, der privat bei dem Vortrag war, versuchte, Schlimmeres zu verhindern. Der mehrfache Familienvater wurde durch den Angreifer schwer verletzt. Er musste in einem Krankenhaus notoperiert werden.

Für den 59 Jahre alten Fritz von Weizsäcker kam allerdings jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch am Tatort. Der mutmaßliche Täter konnte noch in der Klinik festgenommen werden. 

Mord und versuchter Mord, so lautet die Anklage gegen Gregor. S.  Er soll den Chefarzt heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet und den Polizeibeamten zur Ermöglichung einer Straftat niedergestochen haben.

Laut Anklage soll Gregor S. die Tat seit längerer Zeit geplant haben. Motiv der Tat sei wahnhafter Hass auf die Familie des einstigen Bundespräsidenten gewesen.

Gregor S. soll den Vater des getöteten Mediziners dafür verantwortlich gemacht haben, dass der Boehringer-Chemiekonzern in den 1960er-Jahren tödliche Giftstoffe für den Vietnam-Krieg geliefert hat. Richard von Weizsäcker war damals Mitglied der Geschäftsführung des Konzerns. 

Laut Staatsanwalt soll der Angeklagte seinen Hass auf den einstigen Bundespräsidenten nach dessen Tod auf die gesamte Familie projiziert haben. 

Der mutmaßliche Mörder stammt aus Andernach in Rheinland-Pfalz. Dort hatte er als Lagerist gearbeitet und laut Anklage allein gelebt. 

Erst am Tattag soll Gregor S. mit dem Zug nach Berlin gereist sein und vor der Tat in Charlottenburg noch etwas gekauft haben, „um seinen Computer unbrauchbar zu machen“, hatte  Martin Steltner, der Sprecher der Staatsanwalt, zur Anklageerhebung gesagt.

Gregor S. soll sich seit der Tat in einer psychiatrischen Klinik befinden. Ob er zum Tatzeitpunkt schuldfähig war oder nicht, soll im Prozess geklärt werden.

Für die Verhandlung vor der 32. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Matthias Schertz sind bisher sechs Verhandlungstermine vorgesehen. Ein Urteil könnte demnach am 23. Juni gesprochen werden.