Die beiden Angeklagten im Prozess um den Mord an dem Clubbetreiber Jochen Strecker müssen lebenslänglich ins Gefängnis. Beide Männer seien des Mordes in Tateinheit mit Raub schuldig, erkannte die 15. Strafkammer des Strafgerichts Moabit am Montag. Gegen einen wurde zusätzlich Sicherheitsverwahrung verhängt, sagte Gerichtssprecher Tobias Kähne.

Jochen Strecker, Inhaber des Nobel-Clubs First (unter anderem Glamour-Gäste wie George Michael, Robert De Niro, Brigitte Nielsen) an der Lietzenburger Straße in der City-West, war am 5. März 2013 in seiner Wohnung an der Pfalzburger Straße tot aufgefunden worden. Er lag erstochen in der Badewanne. Wie die Gerichtsmedizin feststellte, war die Tat zwei Tage vorher verübt worden.

Für Staatsanwaltschaft stellt sich die Sache so dar: Der zur Tatzeit 23-jährige Metin Michael M. habe gemeinsam mit dem damals 29-jährigen Marek F. den Clubbesitzer aus Habgier ermordet, um Geld und Schmuck stehlen zu können. Demnach habe zunächst Metin Michael M. – ein Stricher, der öfter in Streckers Wohnung verkehrte – dem Clubbesitzer dreimal mit dem Messer in den Rücken gestochen. Anschließend habe er den in der Nähe wartenden Marek F., den Betreiber eines Escortservices für Schwule, verständigt. Dieser habe festgestellt, dass Strecker noch lebte und ihm vier tödliche Stiche in den Hals versetzt. Dann habe das Duo unter anderem vermeintlich teure Uhren eingesteckt und sei geflohen.

Angeklagter unglaubhaft

Das Gericht folgte dieser Argumentation vollumfänglich. Der Vorsitzende Richter, Thomas Groß, dankte den Beamten des Landeskriminalamtes für ihre „ausgezeichnete Ermittlungsarbeit“ in diesem Indizienprozess. Die Einlassungen der Angeklagten seien dagegen unglaubhaft. Marek F. wurde als so gefährlich eingestuft, dass gegen ihn eine zusätzliche Sicherungsverwahrung verhängt wurde.

Zum Ende des Prozesses hatten beide Angeklagten noch einmal beteuert, weder einen Mord geplant, noch davon gewusst oder ihn gar begangen zu haben. Dabei belasteten sie sich gegenseitig. Metin Michael M. sagte, der Mitangeklagte Marek F. habe seine Loyalität ausgenutzt. F. habe gewusst, dass er ihn nicht verraten würde. Streckers Tod tue ihm „von ganzem Herzen leid“, das sei „nie meine Absicht gewesen“. Jetzt müsse er für den Rest seines Lebens mit „dieser moralischen Schuld“ leben.
Marek F. warf der Staatsanwaltschaft vor, voreingenommen ermittelt zu haben. Es gebe keinen Beweis für seine Anwesenheit in Streckers Wohnung, auch keine direkte Kommunikation, nur die Aussage seines Mitangeklagten. „Ich werde hier seit über zwei Jahren zum Mörder gemacht – komme, was da wolle.“ Das Grundgesetz werde mit Füßen getreten.

Als sei der Fall nicht schon spektakulär genug, gab ihm Metin Michael M. noch zusätzlich Dramatik. Er war einer von zwei Männern, die am 19. Mai 2014 aus der Haftanstalt Moabit ausbrachen. Dabei durchsägten sie Gitterstäbe und überwanden Mauern und Zäune. Erst 74 Tage später wurde M. wieder gestellt. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei nahm ihn in einer Wohnung in Alt-Reinickendorf fest, in der er untergekommen war – der Prozess konnte weitergehen.
Der Ausbruch warf ein schlechtes Licht auf die Sicherheitsvorrichtungen in Moabit, der Bund der Strafvollzugsbediensteten nahm dies zum Anlass, mangelnde Personalstärke anzuprangern. Die Justizverwaltung kündigte an, die technische Ausstattung in Moabit zu verstärken. Das sei sicherer als jede Aufstockung des Personals, hieß es.