Berlin - Bei den Ermittlungen zu der tödlichen Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz ist die Polizei ein großes Stück weiter gekommen. „Wir haben Hinweise auf fünf Männer, die Gäste in dem nahe gelegenen Club Cancun waren und als Tatverdächtige in Frage kommen“, bestätigte ein Polizeisprecher am Freitagnachmittag entsprechende Informationen der Berliner Zeitung.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um Männer mit türkischen Wurzeln und zum Teil deutscher Staatsbürgerschaft. Ihr Aufenthaltsort war den Ermittlern am Freitagabend noch unbekannt. Die Polizei schließt nicht aus, dass sich einige von ihnen inzwischen in die Türkei abgesetzt haben.

Die Personenbeschreibungen stimmen mit der jener Schläger überein, die am Sonntagmorgen vor einer Woche den 20-jährigen Jonny K. in der Nähe des Alexanderplatzes im Bezirk Mitte ins Koma geprügelt haben. Er starb am Tag darauf an seinen schweren Kopfverletzungen.

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Die Tat ereignete sich nur etwa 40 Meter von dem Lokal Cancun entfernt, in dem gerade eine Veranstaltung mit türkischen DJs zu Ende ging. „Von der Veranstaltung gibt eine Vielzahl an Fotos, die wir jetzt auswerten“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen nannte er nicht.

Bei der Party mit mehr als 500 Gästen hauptsächlich türkischer Herkunft war unter anderem ein professioneller Fotograf zugange, der zahlreiche Fotos der Partygäste machte. Auch die Gäste des Clubs knipsten mit ihren Handys Bilder, die jetzt ebenfalls in akribischer Kleinarbeit ausgewertet werden.

Eine Mordkommission des Landeskriminalamtes, die die Ermittlungen wegen Mordes übernahm, wertet auch Bilder von Videokameras umliegender Gebäude aus. Auch daraus ergaben sich Rückschlüsse auf die Verdächtigen. Nachdem die Staatsanwaltschaft 15.000 Euro Belohnung aussetzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, gingen bis zum Freitag bei der Polizei etwa 30 Tipps ein, die zum Teil konkrete Ermittlungsansätze lieferten. So hatten mehrere Zeugen die Verdächtigen im Cancun gesehen und auch, wie sie das Lokal verließen.

Der Fall des getöteten 20-Jährigen löste eine breite Debatte über die Sicherheit auf den Straßen der Hauptstadt aus. Die Gewerkschaft der Polizei verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren unter dem früheren rot-roten Senat 4000 Stellen bei der Polizei eingespart wurden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief die Bevölkerung zum Kampf gegen Gewalt auf. Die Polizei könne nicht alleine dagegen vorgehen.