Vor zwei Wochen wurde Melanie R. aus Pankow in einer Grünanlage an der Dolomitenstraße getötet. Jetzt läuft den Ermittlern der Mordkommission die Zeit davon, den Täter zu fassen. Mit jedem Tag schwindet die Hoffnung, das Verbrechen aufzuklären.

Die 30 Jahre alte Social-Media-Beraterin soll an den Folgen von „Gewalt gegen den Hals“ gestorben sein, wie es bei der Polizei heißt. Am Donnerstag gab die Staatsanwaltschaft die Leiche der Frau frei. Noch am selben Tag wurde sie von einem Bestatter aus dem Rechtsmedizinischen Institut der Charité abgeholt, in dem sie obduziert worden war. Der Termin der Beerdigung steht noch nicht fest.

Jedoch drängt bei der Aufklärung die Zeit. Mordermittler haben eine Faustregel: Gibt es in den ersten fünf Tagen keinen entscheidenden Hinweis, sinken die Chancen, den Fall überhaupt zu lösen. Der Fall wird kalt. Das liege vor allem auch daran, dass sich Zeugen nach einer Woche nicht mehr detailliert an das Geschehen erinnern, sagen Ermittler.

Melanie R. hat sich gegen ihren Mörder gewehrt

Sicher ist dagegen, dass 90 Prozent aller Tötungsdelikte Beziehungstaten sind, das heißt: Täter und Opfer standen in irgendeiner Beziehung zueinander, privat oder geschäftlich. Bisher gibt es keinen solchen „Anfasser“, wie es im Fahnderjargon heißt. Ein Flaschensammler hatte die Leiche zwei Tage nach dem Verbrechen in einem Gebüsch, 70 Meter vom Tatort entfernt, entdeckt.

Nachdem die Behörden sich mehrere Tage zu den Ermittlungen nicht äußerten, in der Hoffnung, den Fall schnell zu lösen, gingen zehn Hinweise ein. Vor einer Woche veröffentlichten die Fahnder Fotos, auf denen das Kleid des Opfers abgebildet war, sowie die Mütze, die der Täter trug. Seitdem nimmt die Zahl der Zeugenhinweise stetig zu. Bis zum Sonntag waren es 185.

Hoffnung setzten die Fahnder in den DNA-Vergleich: Melanie R. hat sich gegen ihren Mörder gewehrt. Rechtsmediziner stellten fest, dass das Opfer ihn an den Unterarmen blutig gekratzt hat. Unter ihren Fingernägeln wurden Hautpartikel sichergestellt, die identisch sind mit der DNA an der Mütze. Der Vergleich mit bundesweit gespeicherten Spuren des Bundeskriminalamtes brachte jedoch keinen Treffer.

War Melanie R. ein Zufallsopfer?

Die Ermittler der 5. Mordkommission schließen nicht aus, dass es sich bei dem Täter um einen Exhibitionisten handelt, der bereits im Februar in der Nähe Spaziergänger belästigt und sexuelle Handlungen an sich vorgenommen haben soll. Eine Frau hatte ihn angezeigt. Der Mann wurde nicht gefasst. Unklar ist noch, ob Melanie R. allein unterwegs war. Noch hat die Polizei keine eindeutigen Aussagen. Zeugen hatten berichtet, dass sie sich gerne an der Bahntrasse aufhielt.

In dem komplizierten Fall kommen auch speziell trainierte Suchhunde zum Einsatz, sogenannte Mantrailer. Sie können auch nach Wochen menschliche Gerüche unterscheiden und ihnen folgen. Am Wochenende zuvor durchkämmten solche Hunde die Grünanlage – ohne Erfolg. Möglicherweise wird es erneut einen Versuch geben.

Wird der Mord an Melanie R. nicht gelöst, wäre es nicht der erste Fall dieser Art: Noch immer ist der Mord an Kirsten Sahling nicht aufgeklärt. Im Sommer 2009 wurde die damals 39-Jährige beim Joggen im Spandauer Forst von einem Unbekannten erstochen. Der Täter stand offenbar in keiner Beziehung zu ihr, Kirsten Sahling war wohl ein Zufallsopfer. Das könnte auch auf Melanie R. zutreffen.