Die Anklage lautet Mord, die Beschuldigten schweigen bisher: Die Staatsanwaltschaft erhob vor wenigen Wochen Anklage gegen die zwei Männer, die im Februar diesen Jahres auf der Tauentzienstraße ein Autorennen abhielten, bei dem ein unbeteiligter 69-Jähriger zu Tode kam. Nun sind Details der Anklageschrift bekannt geworden, die den Tathergang schildern.

Wie die Zeitung B. Z. berichtet, lernten sich die Angeklagten Hamid H. und Marvin N. Abends in der Shisha-Bar "Diamonds" auf dem Kurfürstendamm kennen. Um kurz nach Mitternacht  verließen sie das Lokal und trafen sich gegen 0.40 Uhr an einer Ampel am Adenauerplatz wieder, wo das Rennen startete.

An den ersten beiden roten Ampeln soll der 24-jährige N. mit seinem Mercedes noch angehalten haben, während sein 27-jähriger Konkurrent sie mit seinem Audi bereits missachtete. Laut Anklageschrift, die der B.Z. vorliegt,  sollen die Männer insgesamt elf Ampeln überfahren haben, von denen die Mehrzahl auf rot stand.

Demnach erreichten die Raser in der Rechtskurve an der Gedächtniskirche eine Spitzengeschwindigkeit von 130 Km/h, beschleunigten dann weiter und fuhren mit 170 Stundenkilometern auf die Kreuzung zwischen Tauentzienstraße und Nürnberger Straße. Dort prallte H. mit seinem Auto frontal in die Seite des Wagens vom 69-jährigen Michael W., der noch am Unfallort starb.

Von offizieller Seite gibt es keine Bestätigung für die Schilderungen. "Dazu dürfen wir uns nicht äußern", sage Lisa Jani, Sprecherin der Landgerichts Berlin, der Berliner Zeitung. Lediglich das illegale Rennen, die "deutlich überhöhte Geschwindigkeit" und den Prozessauftakt am 8. September bestätigte sie.

Die Anklage geht davon aus, dass die mutmaßlichen Raser die tödliche Folgen des Rennens billigend in Kauf genommen haben. Sie hätten gemeingefährliche Mittel eingesetzt und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, um ein illegales Rennen zu gewinnen. In dem Prozess wegen Mordes drohen ihnen lebenslange Freiheitsstrafen. Ein Sohn des Opfers ist Nebenkläger.

Die Anklage wegen Mordes ist in einem Fall dieser Art ungewöhnlich. Oft geht es bei tödlichen Verkehrsunfällen um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung oder des Totschlags. Die 24 und 27 Jahre alten Beschuldigten waren zunächst wegen Verdachts auf Totschlag verhaftet worden. Zudem wurde wegen Gefährdung des Straßenverkehrs ermittelt. Später wurden ihnen Haftbefehle wegen mutmaßlichen Mordes verkündet. Sie sitzen weiterhin in Untersuchungshaft. (Sil./dpa)