Mord in Berlin Prenzlauer Berg: Polizei nimmt Verdächtigen im Mordfall Christopher S. fest

Der Mordfall S. ist offenbar aufgeklärt. Die Polizei nahm am Dienstag gegen 14 Uhr in der Hauptstraße in Friedrichshain einen Mann fest. Er heißt Dirk F. und ist gebürtiger Berliner. Er ist 25 Jahre alt und verdächtig, den 26 Jahre alten Studenten in dessen Wohnung in der Hiddenseer Straße in Prenzlauer Berg am 18. Juli gegen 21 Uhr erstochen zu haben.

Auf den Verdächtigen kam die Polizei durch die Auswertung von Funkzellenprotokollen. Der wohnungslose Tatverdächtige hatte aus der Wohnung seines Opfers ein Handy mitgehen lassen. Er schaltete das Gerät nicht aus und lud dessen Akku immer wieder auf, so dass es für die Ermittler die ganze Zeit eingeloggt war und damit geortet werden konnte. Glücklicherweise habe der Anbieter die Daten nicht nach kurzer Zeit gelöscht, sagen Polizisten. Das habe ihnen bei der Aufklärung des Falles geholfen.

Schnelle Aufklärung durch Funkzellenabfrage

So fanden die Ermittler auch heraus, dass der wegen Eigentumsdelikten, Betrügereien und Drogenhandels polizeibekannte Dirk F. nach der Tat ein Taxi anhielt und sich nach Köpenick fahren ließ. Mittlerweile ist Haftbefehl gegen ihn wegen Mordes beantragt worden. Er sollte noch am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Informationen aus der Staatsanwaltschaft hat der Mann zu den Mordvorwürfen eine Aussage gemacht.

Er soll ebenfalls wie Christopher Sch. ein Mitglied der sogenannten Goa-Szene sein. Die Anhänger dieser Szene mögen spezielle elektronische Musik. Die Ermittler gehen von einem Raubmord aus, weil neben dem Handy mehrere technische Geräte, darunter eine Musikanlage, aus der Wohnung geraubt worden sind. Die Ermittler haben Hinweise darauf, dass sich der Mörder und sein Opfer durch Drogengeschäfte kennengelernt haben.

Christopher Sch. war vor vier Jahren nach Berlin gezogen. Er hatte eine Zwei-Zimmerwohnung im Hinterhaus in der Hiddenseer Straße bewohnt. Im Oktober 2014 hatte er ein Geologie-Studium an der Freien Universität begonnen, das er Anfang des Jahres abbrach. In dieser Zeit widmete er sich der Goa-Szene in Berlin. Angehörige des Opfers hatten die Leiche des Mannes am 25. Juli entdeckt. Sie waren zur Wohnung gefahren, weil sich tagelang nicht gemeldet hatte und sie sich um ihn sorgten.

Die schnelle Aufklärung des Falls durch Funkzellenabfrage wurde in der Justizverwaltung positiv aufgenommen. 2014 wurden nach richterlichen Genehmigungen in 500 Verfahren eine Funkzellenabfrage angewandt, um Schwerkriminellen auf die Spur zu kommen. Das hatte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) in der vergangenen Woche im Senat berichtet.

Bei der Abfrage werden in einer Zelle angemeldeten Handys erfasst, jedoch nicht der Inhalt der Gespräche. Heilmann will die Möglichkeiten der Funkzellenabfrage in Berlin ausweiten.