Mord in Berlin-Wedding: Streit zwischen Großfamilien endet tödlich

Bei einem Streit zwischen zwei bosnischen Großfamilien ist am Samstag in Wedding ein 31 Jahre alter Mann erschossen worden. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Drei weitere Männer erlitten schwere Stich-, Schnitt und Schussverletzungen. Mittlerweile sind sie außer Lebensgefahr. Die Täter bleiben verschwunden. „Wir ermitteln, aber eine heiße Spur ist noch nicht dabei“, sagte ein Sprecher der Polizei am frühen Montagmorgen. Die Ermittler erhoffen sich von den drei Verletzen und anderen Zeugen Hinweise auf die geflüchteten Täter.

Ging es um eine Frau oder um Geld oder waren Geschäftsbeziehungen oder mangelnder Einfluss die Ursache für den blutigen Streit? Die Polizei weiß es noch nicht. Zu Gerüchten, nach denen es sich um Romafamilien gehandelt haben soll, die sich mit Geschäftspartnern überworfen hatten, wollte sich die Polizei am Sonntag nicht äußern. Fest steht, dass Mitglieder beider Familien sich bereits am Freitagabend in einem Lokal gestritten hatten. Als beide Gruppen auseinandergingen, soll eine von ihnen bereits von Rache gesprochen haben.

Am Samstag kurz nach 13 Uhr verließen vier Männer ein mehrgeschossiges Wohnhaus in der Hochstädter Straße – unter ihnen auch das spätere Todesopfer, Damil H. In der Straße leben viele Bosnier und ihre Familien, die vier Männer aber nicht. Zur selben Zeit fuhren zwei schwarze BMW vor. Mindestens vier Insassen stiegen aus und stürzten sich auf die Passanten. Es fielen mehrere Schüsse.

Blut auf dem Gehweg

Die vier Männer zwischen 31 und 56 Jahren, die aus dem Gebäude herausgekommen waren, lagen kurz darauf blutüberströmt auf dem Gehweg. Die Angreifer verschwanden mit den Limousinen. Passanten riefen die Feuerwehr um Hilfe. Wenig später trafen fünf Rettungswagen und drei Notärzte am Tatort ein.

Ein Verletzter überlebte den Transport ins Krankenhaus nicht. Zwei Männer wurden ins Virchow-Klinikum gebracht, einer in die Charité. Alle hatten viel Blut verloren. Am Sonntag dann Erleichterung bei den Angehörigen: Nach den Behandlungen seien die Opfer nicht mehr in Lebensgefahr, teilte eine Polizeisprecherin mit. Die Verletzten werden nun von Polizisten geschützt. Bis zum Sonntagabend sollten sie befragt werden.

Der Polizeischutz vor den Stationszimmern ist nötig, weil weitere Übergriffe nicht auszuschließen sind, sagen Polizisten. Angehörige hatten in der Nacht zum Sonntag für Unruhe und Aufregung in den Klinikgängen gesorgt und die Arbeit von Ärzten und Schwestern behindert. In der Nacht wurde die Leiche des 31 Jahre alten Damil H. obduziert. Er sei an den Folgen von inneren Verletzungen gestorben, hieß es am Sonntag. War es ein gezielter Anschlag? Verletzte ihn ein Messer oder eine Kugel oder gar beides? Wegen laufender Ermittlungen äußern sich Ermittler der Mordkommission dazu nicht.

Waffen nicht gefunden

Bis zum Sonntagmittag sicherten Kriminaltechniker in der Hochstädter Straße Spuren. Die Tatwaffen wurden nicht gefunden, aber Patronenhülsen, die Rückschlüsse auf die verwendeten Pistolen zulassen.

In der Nacht alarmierten Anwohner die Polizei, weil sie sich von den schrillen Trauergesängen der Angehörigen gestört fühlten. Polizisten gelang es, die schreienden Frauen zu beruhigen. Bosnische Angehörige besuchten am Sonntag erneut den Tatort in der Hochstädter Straße. Sie waren mit teuren Fahrzeugen angereist. Es mangele ihnen nicht am Geld, sagen Fahnder. Neben hochwertigen Mercedes-Benz waren in der Nähe auch Autos der Marken Audi, Porsche und BMW geparkt.

Tätersuche noch erfolglos

Die Suche nach den Tätern verlief bis zum Sonntagabend erfolglos. „Wir sind dennoch guter Hoffnung, den Fall bis Silvester gelöst zu haben“, sagte ein Ermittler.

Ob das Todesopfer noch in diesem Jahr beerdigt wird, ist noch unklar. Bis dahin laufe die Trauerzeit, so Polizisten. Ist sie vorbei, sind Racheakte nicht auszuschließen. „Einen solchen Übergriff verzeiht keine Familie aus dem Balkan ungestraft.“