Die Bestürzung in der französischsprachigen katholische Gemeinde in Berlin-Charlottenburg ist nach dem Tod ihres Pfarrers Père Alain-Florent Gandoulou groß. Bei einem Gottesdienst gedachten die Gemeindemitglieder und das Erzbistum Berlin am Sonntag des 54-Jährigen, der am Donnerstagabend bei einem Streit im Gemeindebüro umgebracht worden war. „Mit seinem schrecklichen Tod bringt uns Gott an eine Grenze“, sagte Generalvikar Pater Manfred Kollig in seiner Predigt in Französisch. „Warum hat er ihn nicht vor seinem Mörder bewacht?“

In der St. Thomas von Aquin-Kirche drängten sich die Besucher, auch der Bruder des Getöteten und weitere Familienangehörige waren nach Angaben des Erzbistums dort. Erzbischof Heiner Koch besuchte später die Gemeinde, um seine Verbundenheit und Trauer zum Ausdruck zu bringen, wie ein Sprecher sagte.

Haftrichter entschied auf Unterbringung in der Psychiatrie

Der mutmaßliche Täter befindet sich inzwischen aufgrund eines Unterbringungsbeschlusses in der Psychiatrie. Der 26 Jahre alte Kameruner war am Samstagabend wegen Totschlags dem Haftrichter vorgeführt worden. „Aufgrund seines psychischen Zustandes wurde entschieden, dass er in eine Klinik kommen muss“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.  

Der 26 Jahre alte Kameruner war am Freitagmittag auf dem Dachboden eines Wohnhauses in Reinickendorf festgenommen worden. Die Hintergründe des Verbrechens sind bislang unklar. Zeugen hatten am Donnerstag die Polizei alarmiert, weil sie einen Streit in den Büroräumen in der Schillerstraße hörten. Dort fanden Polizisten wenig später den toten Priester aus Kongo-Brazzaville. Er war erstochen worden. Der mutmaßliche Täter wurde am Freitagmittag von der Polizei festgenommen, inzwischen ist Haftbefehl gegen ihn ergangen. Warum es am späten Donnerstagabend zu dem Streit kam, steht nach Angaben der Polizei noch nicht endgültig fest.

Der Leichnam des getöteten Pfarrers wird Anfang der Woche in die Hauptstadt Kongos überführt. In Brazzaville sollen die sterblichen Überreste des 54 Jahre alten Priesters beerdigt werden. (BLZ/dpa)