Berlin/Borgsdorf - Sie sammelte Müll auf, wo immer er herumlag. Sie pflanzte in Hinterhöfen Blumen und engagierte sich im Tierschutz. Barbara Zürner hatte sich als Umweltaktivistin nicht nur an ihrem Wohnort, in Berlin-Mitte, einen Namen gemacht. Die parteilose Frau saß dort jahrelang für die PDS im Bezirksparlament.

Auch im Landkreis Oberhavel kannten sie viele. 30 Jahre lang war die Tierärztin regelmäßig mit der S-Bahn nach Borgsdorf gefahren und von dort nach Velten geradelt, um bei einem Schmiedemeister als Hufschmiedin zu arbeiten. Bis zu jenem 30. Oktober 1997. Als sie niedergeschlagen, vergewaltigt und so schwer verletzt wurde, dass sie ins Koma fiel und daraus nie wieder erwachte. Viereinhalb Jahre nach dem Überfall starb sie.

Der Fall wird neu aufgerollt

Seit der Tat suchen die Fahnder nach dem Mörder von Barbara Zürner. Spuren vom Tatort wurden damals mit der DNA von mehr als 80 Männern verglichen. Erfolglos. Mehrfach ging die Polizei an die Öffentlichkeit. Auch das führte nicht zu den ersehnten Hinweisen. Jetzt aber haben die Fahnder der Mordkommission in Neuruppin den Fall neu aufgerollt. „Wir haben neue Zeugen und neue Anhaltspunkte“, sagt Kriminaloberkommissar Uwe Höke der Berliner Zeitung. Am heutigen Mittwoch wird er weitere Zeugen suchen, Ermittlungsergebnisse präsentieren aber auch offene Fragen im Mordfall Zürner stellen: in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.

Die Fahnder können Barbara Zürners Weg an jenem 30. Oktober 1997 von der Schmiedewerkstatt bis zum Abend gut rekonstruieren. Die 67-Jährige hatte gegen 14.30 Uhr in Velten ein Kopfkissen gekauft. Auf dem Weg nach Borgsdorf zur S-Bahn stellte sie ihr altes schwarzes Fahrrad an der Straße zwischen Velten und Borgsdorf an einer Bushaltestelle ab. Zeugen sahen, wie sie Müll sammelte und in Plastiktüten stopfte – so, wie sie es oft getan hatte.

„Gegen 18.45 Uhr wurde die Frau im Bereich des späteren Tatorts letztmalig lebend gesehen“, sagt Höke. Zeugen gaben an, dass Barbara Zürner immer bis etwa 19 Uhr leere Dosen und weggeworfenen Papier aufgelesen hatte und dann wegen ihrer vielen Türen das Fahrrad nach Borgsdorf schieben musste.

Wann genau Barbara Zürner an jenem Abend brutal niedergeschlagen und vergewaltigt wurde, können die Fahnder nicht sagen. „Sie wurde sehr schwer misshandelt, aber sie hat sich mit allen Kräften gewehrt“, sagt der Kriminaloberkommissar. Beraubt wurde Barbara Zürner nicht. In ihrem Portemonnaie fanden die Ermittler eine Geldsumme in dreistelliger Höhe sowie Scheckkarten. Auch die Wohnungsschlüssel nahm der Täter nicht an sich. Sein lebensgefährlich verletztes Opfer ließ er einfach am Straßenrand liegen.

2500 Euro Belohnung ausgesetzt

Erst am nächsten Morgen wurde die blutüberströmte Frau in der Nähe der Bushaltestelle entdeckt. Sie war bewusstlos und stark unterkühlt. Ihr Körpertemperatur lag bei nur noch 26 Grad. „Als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, waren ihre Hirnstammfunktionen bereits ausgefallen“, sagt Höke. Ärzte konnten das Leben der Frau retten, sie aber nicht aus dem Koma holen. Angehörige brachten Barbara Zürner schließlich in ein Pflegeheim nach Dresden. Dort starb sie am 3. März 2002, ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben.

Die Ermittler haben für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von 2500 Euro ausgesetzt. Kriminaloberkommissar Höke ist zuversichtlich, den Fall lösen zu können – auch nach so langer Zeit.