Nein, Sabrina S. ist mit den Angeklagten nicht verwandt und nicht verschwägert. Resolut antwortet die 43-Jährige an diesem Montag auf die erste Frage des Vorsitzenden Richters im Prozess um den Tod der jungen Pferdewirtin Christin R. aus Lübars. Ein Raunen geht durch den Gerichtssaal. Denn eigentlich hätte die Zeugin sagen müssen: Na klar, mit Robin H., dem Hauptangeklagten, war ich einmal verheiratet. So hatte es der junge Mann schließlich vielen erzählt. Seiner Freundin Christin R., um deren gewaltsamen Tod es in diesem Verfahren geht. Deren Eltern und Brüdern und wer weiß, wem noch. Der 25-Jährige sprach von Sabrina S., die im fernen Nordrhein-Westfalen lebt, als seiner Ex-Frau. Doch wäre das Erzählte von damals die Wahrheit gewesen, dann hätte Sabrina S. gar nicht in diesem Gerichtssaal sitzen können. Dann hätte sie unheilbar an Krebs erkrankt und später bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein müssen.

Da sitzt sie aber nun, die zierliche Frau. Quicklebendig und offenbar auch kerngesund. Trotzdem kommt der Vorsitzende Richter Ralph Ehestädt nicht umhin, einen skurrilen Dialog mit der Zeugin zu führen. „Waren sie mal mit dem Angeklagten verheiratet?“, fragt er. „Nein“, antwortet Sabrina S. „Hatten Sie eine schwere Krebserkrankung?“ „Nein“, sagt die Zeugin. „Hatten sie einen schweren Autounfall, an dessen Folgen Sie gestorben sind?“ „Eher nicht“, meint Sabrina S. „Wurde Ihre Asche in der Nordsee verstreut?“ Die Zeugin schüttelt nur den Kopf. Sie ist nicht erstaunt über die Fragen, hat sie über ihren angeblichen Tod doch schon aus den Medien erfahren.

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