Berlin - Jorge Q. soll krankhaft eifersüchtig sein. Und er soll ein furchtbares Verbrechen begangen haben. Der 52-Jährige gebürtige Kubaner hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine schlafende Freundin Ulla N. in Charlottenburg mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Die 45-jährige Lehrerin einer Waldorfschule starb wenig später an ihren schweren Brandverletzungen.

Ab kommenden Dienstag muss sich Jorge Q. vor dem Berliner Landgericht wegen Mordes verantworten. „Die Anklage wirft dem Mann unter anderem Heimtücke vor, weil sein Opfer zur Tatzeit geschlafen haben soll“, sagt Gerichtssprecher Tobias Kaehne. Zudem werfe die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten auch die Mordmerkmale niedere Beweggründe und Grausamkeit vor. Jorge Q. habe bei der Tat außerdem gemeingefährliche Mittel verwendet. Denn durch das Übergreifen des Feuers auf die Wohnung seien auch andere Hausbewohner gefährdet gewesen.

Ulla N. und Jorge Q., der als Informatiker in München arbeitete, sollen eine Wochenendbeziehung geführt haben, bis sich die Lehrerin von ihrem krankhaft eifersüchtigen Freund trennen wollte. In der Nacht zum 6. Oktober des vorigen Jahres soll es in der 70 Quadratmeter großen Wohnung von Ulla N. in der Haubachstraße zu einem lautstark geführten Streit gekommen sein, auf den selbst Nachbarn aufmerksam wurden.

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

Ulla N. schlief bereits, als ihr Jorge Q. Brennspiritus über den Kopf gegossen und sie angezündet haben soll. Laut Anklage erwachte die Frau und rannte brennend aus der Wohnung. Im Hausflur stürzte sie eine Treppe hinunter. Ein Nachbar, der die Flammen mit einer Decke löschen wollte, konnte der Lehrerin nicht mehr helfen. Die Frau starb noch im Hausflur. Der mutmaßliche Täter stellte sich wenige Stunden später der Polizei. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann zudem auch Vergewaltigung vor. Er soll bereits im Mai 2000 in Schmargendorf seine damalige Freundin sexuell missbraucht haben. „Damals soll der Mann gedroht haben, das Bett mit Nitroverdünner zu übergießen und anzuzünden, wenn die Frau ihm nicht gefügig ist“, sagte Gerichtssprecher Tobias Kaehne. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Juni 2013 im brandenburgischen Blankenfelde-Mahlow. Ein Mann hatte aus Eifersucht seine Ehefrau mit Benzin übergossen und angezündet. Bis zu 60 Prozent der Hautoberfläche der Frau verbrannten. Die 37-Jährige überlebte dennoch. Sie lag fünf Wochen im Koma, wurde bisher 13 Mal operiert. Seit Anfang Februar muss sich der 51-jährige mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht in Potsdam verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat bereits eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. Am heutigen Donnerstag soll das Urteil fallen.