Vor eineinhalb Jahren starb der Sänger Jim Reeves in einem Hostel in Charlottenburg eines gewaltsamen Todes. Nun ist die Anklage fertig gegen die beiden mutmaßlichen Täter. Demnach steht offenbar fest, dass der 47-jährige Reeves von den Tatverdächtigen mit mehreren länglichen Gegenständen vergewaltigt worden war. Der Musiker sei qualvoll an seinen inneren Verletzungen gestorben, heißt es in den Akten.

Ab Mittwoch müssen sich die mutmaßlichen Täter vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin verantworten. „Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern Mord vor. Die Angeklagten sollen grausam und aus niedrigen Beweggründen gehandelt haben“, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani der Berliner Zeitung.

Aus homophoben Motiven misshandelt?

Der Sänger und Musikproduzent Reeves war als Jim Nyasani in Köln geboren worden, in den 1990er-Jahren feierte er mit seiner Band Sqeezer Erfolge. Sein Markenzeichen waren seine blond gefärbten Rastazöpfe und sein blond gefärbter Bart. Reeves lebte zuletzt in Berlin. Kurze Zeit vor der Tat war er aus der Wohnung seiner Lebensgefährtin ausgezogen und in dem Hostel Happy Go Lucky am Stuttgarter Platz untergekommen.

Reeves schlief dort in einem Sechs-Bett-Zimmer. Dort soll er auch seinen beiden mutmaßlichen Mördern begegnet sein. Pawel A. und Adam K. sollen in demselben Zimmer wie der Musiker abgestiegen sein. Sie sollen gemeinsam eine Bar besucht haben. Am Morgen des 1. Februar 2016 wurde Reeves in dem Zimmer von einem Touristen entdeckt, der dort ebenfalls ein Bett gebucht hatte.

Die Obduktion ergab, dass Jim Reeves in der Nacht zuvor brutal misshandelt worden war. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die mutmaßlichen Täter den Mann aus homophoben Motiven und somit aus niedrigen Beweggründen ermordet haben.

Festnahmen in Polen und Spanien

Bereits 18 Tage nach der Bluttat konnten die Ermittler der Mordkommission den damals 23-jährigen Adam K. als Tatverdächtigen ermitteln. Polnische Zielfahnder nahmen den Mann in der Stadt Brzezno in Polen fest.

Die Fahndung nach dem zweiten Tatverdächtigen gestaltete sich jedoch schwieriger. Ein Jahr lang waren deutsche, polnische und spanische Ermittler den Spuren von Pawel A. durch halb Europa verfolgt. Am 7. Februar dieses Jahres konnten Berliner Zielfahnder den mutmaßlichen Mörder schließlich in der katalonischen Stadt Lleida in der Nähe von Barcelona aufspüren und ihn zusammen mit den spanischen Beamten festnehmen.

Bei seiner Festnahme soll der damals 29-jährige Mann erheblichen Widerstand geleistet haben. Pawel A. trug, so hieß es damals, zwei gefälschte Ausweise, drei Mobilfunkgeräte und einen Elektroschocker bei sich. Zudem konnten die Ermittler 7000 Euro sicherstellen.

Schwester als Nebenklägerin

Der Festgenommene wurde noch im Februar nach Deutschland ausgeliefert, seitdem sitzt er in Berlin in Untersuchungshaft. Sein mutmaßlicher Mittäter Adam K. kam erst im April dieses Jahres in Berlin in Haft. Er soll zuvor in Polen wegen anderer Delikte im Gefängnis gesessen haben.

Für den Prozess um den mutmaßlichen Mord an Jim Reeves hat die 22. Große Strafkammer insgesamt zehn Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil gegen die beiden Mordverdächtigen könnte demnach am 27. Oktober fallen. „In dem Prozess wird die Schwester des Opfers als Nebenklägerin auftreten“, sagte die Gerichtssprecherin Jani.