Die grausige Tat hatte deutschlandweit Erschütterung ausgelost: Ein einsamer Witwer wird in Prenzlauer Berg getötet, zerteilt und jahrelang in einer Kühltruhe versteckt. Am Mittwoch um 9.15 Uhr startet der Prozess zum zweiten Mal.

Vor dem Landgericht muss sich der 56-jährige Josef S. verantworten - er soll den damals 80 Jahre alten Heinz N. um den Jahreswechsel 2006/2007 herum erschossen, die zerstückelte Leiche in einer Tiefkühltruhe versteckt und jahrelang die Rente des Opfers von monatlich etwa 2000 Euro kassiert haben.

Niemand vermisste den Rentner

Zehn Jahre lag die Leiche in der Wohnung in der Hosemannstraße – und niemand vermisste den Rentner. Das Verbrechen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und auch die Frage aufgeworfen, ob Senioren gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen.

Der erste Prozessanlauf war vor zwei Wochen gescheitert. Das Gericht gab am zweiten Verhandlungstag einer Besetzungsrüge der Verteidigung statt. Dem Angeklagten - einem Trödelhändler - wird Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat zur Last gelegt. Polizisten hatten Anfang Januar die Wohnung geöffnet und die Körperteile gefunden. Bislang hat der Angeklagte zu den Vorwürfe geschwiegen.

Großer Aufwand, um vorzutäuschen, dass das Opfer lebt

Staatsanwalt Reinhard Albers ging beim ersten Prozessanlauf von einer geplanten Tat aus. Die Tiefkühltruhe sei kurz vor dem Mord in die Wohnung geliefert worden, sagte er auf dem Gerichtsflur. Der Rentner sei mit einem Kopfschuss durch die Stirn getötet worden. Die Leiche müsse gleich danach zerteilt worden sein. Die Waffe wurde nicht gefunden.

Nach Angaben des Staatsanwalts habe der Angeklagte „einen sehr großen Aufwand betrieben, um vorzutäuschen, dass sein Opfer noch lebt“. Josef S. hielt sich regelmäßig in der Wohnung auf, er lüftete und installierte an der Nachttischlampe eine Zeitschaltuhr, so dass im Schlafzimmer regelmäßig das Licht an- und ausging. „Die Wohnung war absolut aufgeräumt, man könnte sagen: klinisch rein“, so Albers.

Der Staatsanwalt erhofft sich nun, dass Rentenversicherer aus dem Fall lernten, es „nicht so anonym laufen zu lassen“. (BLZ/dpa)