Wer ihn kennt, fürchtet ihn. Der Moritzplatz, ein Kreisverkehr in Kreuzberg, ist ein Unfallschwerpunkt. In diesem Jahr soll die Gefahrenstelle endlich entschärft werden – mit einer Ummarkierung. Autos sollen weniger, Fahrräder mehr Platz bekommen. Dadurch, so hofft man, werden die Autos gebremst. Und erstmals in Berlin soll rot gefärbter Asphalt verbaut werden, um die Sicherheit zu erhöhen. Es ist ein schöner Plan, der seit langem fertig ist. Doch für eine 34-jährige Radlerin kommt er zu spät. Vor acht Tagen wurde die Frau bei einem Unfall auf dem Moritzplatz schwer verletzt.

Es war schon dunkel, als es geschah. Am Donnerstag der vergangenen Woche um 21.20 Uhr fuhr ein Taxi von der Prinzenstraße in den Kreisverkehr – und stieß dort mit der Radfahrerin zusammen. Die Frau stürzte und verletzte sich am Kopf. Es war ein Unfall, wie er öfter auf dem Moritzplatz vorkommt.

Allein 2014 kamen dort 16 Radler unter die Räder. Ein Fahrradfahrer wurde schwer verletzt, sieben trugen leichte Blessuren davon. Das jüngste Unglück ist für Bernd Zanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ein besonders tragischer Fall. Denn für die Umgestaltung, die den Kreisverkehr sicherer machen soll, liegen alle Voraussetzungen vor. „Eigentlich hätte man schon anfangen können“, sagte er.

Einwände der Polizei

So wurde der Markierungsplan bereits im Mai 2014 fertiggestellt. Auch die Anordnung der Verkehrslenkung Berlin, der obersten Straßenverkehrsbehörde, ist ergangen – am 22. Dezember 2014. Doch bis heute wurde keine Baufirma bestellt.

Denn nach Informationen der Berliner Zeitung bekam die Verkehrslenkung Einwände aus der Polizeidirektion 5 und dem Tiefbauamt Friedrichshain-Kreuzberg. Es ging um die neuen Radfahrstreifen, deren Breite sich auf bis zu 3,40 Meter summieren soll. Davon soll die Hauptfahrspur zwei bis drei Meter einnehmen, daneben sind bis zu 1,40 Meter breite Abbiegespuren geplant – ebenfalls mit griffigem rotem Asphalt versehen. „Ein Novum in Berlin“, sagte Zanke. Dagegen soll der Raum für die Autos schrumpfen – auf 5,50 bis 6,75 Meter Breite.

Dass in einem Verwaltungsverfahren Einwände geäußert werden, sei „ganz normal“, erklärte ein Beteiligter. „Wir werden uns während unserer Sitzung am 20. März damit befassen“, sagte Jochen Schledz von der Unfallkommission. Doch klar sei auch: 2015 wolle das Bezirksamt mit der Ummarkierung beginnen.

Der Moritzplatz hätte schon längst umgestaltet werden müssen, entgegnete Siegfried Brockmann, der beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Unfallforschung leitet. „Für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis dort wieder ein Unfall geschieht. Und jetzt ist wieder einer passiert.“