Wedding - Polizisten sind am Dienstag in Berlin gegen die islamistische Szene vorgegangen. Vermummte Beamte durchsuchten die As-Sahaba-Moschee an der Torfstraße in Wedding und zwei Wohnungen. Sie stellten Computer und andere Datenträger sowie einen fünfstelligen Bargeldbetrag sicher.

Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den 45-jährigen Imam der Moschee wegen des Verdachts der Terrorfinanzierung. „Er soll dschihadistischen Kämpfern in Syrien Geld für Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung gestellt haben“, sagte eine Sprecherin.

Die Moschee an der Torfstraße wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie gilt als wichtiger überregionaler Anziehungspunkt für Salafisten so wie auch die Ibrahim-al-Khalil-Moschee in Tempelhof und die Al-Nur-Moschee in Neukölln.

An der Torfstraße verkehrte unter anderem der spätere Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri. Laut einem Vermerk des LKA wurde er dort am 24. Februar 2016 observiert, bevor er dann am nächsten Tag an der Fussilet-Moschee in Moabit auftauchte. Nach dem Terroranschlag war der „Moscheeverein Fussilet 33“ verboten worden, der ebenfalls Treffpunkt radikaler Islamisten war.

Verfassungsschutz zählt 1000 Salafisten

Die As-Sahaba-Moschee wurde 2010 von einer Gruppe um den Ägypter Reda Seyam gegründet, der lange Zeit von Berlin aus islamistische Propaganda verbreitet hatte. Später wurde er „Bildungsminister“ bei der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Im Juli wurde Seyam bei der Vertreibung des IS aus der irakischen Stadt Mossul getötet.

Etwa 1000 Salafisten, die Hälfte davon gewaltbereit, zählt der Verfassungsschutz in Berlin. Ihre Zahl wächst. Deshalb wurde auch die As-Sahaba-Moschee zu klein. Eine neue große Moschee sollte Platz für 1000 Menschen bieten. Jedoch scheiterte der Verein kürzlich mit dem Versuch, nahe des Westhafens ein größeres Grundstück zu kaufen. Der Besitzer der Immobilie hat angeblich Angst, Ärger mit den Behörden zu bekommen.