Wenn sich Seyran Ates, die liberale Berliner Muslimin, für die Einführung einer Moscheesteuer ausspricht, trifft sie einerseits den Kern einer aktuellen Debatte über die Abhängigkeit islamischer Gemeinden von ihren ausländischen Financiers – sei es aus der Türkei oder Saudi-Arabien. Doch andererseits blendet sie einen für die deutsche Gesellschaft zentralen Punkt aus. Eine vom deutschen Staat eingezogene Moscheesteuer hieße, ein historisches überlebtes System zu stärken, statt es zu reformieren.

Als Napoleon deutschen Fürsten ihre Besitztümer nahm, erhielten diese zum Ausgleich säkularisierte Ländereien und Besitztümer der Kirche. Diese wiederum bekam das Recht, Steuern zu erheben – die freundlicherweise der Staat einzutreiben hatte. Man sieht, es handelt sich um einen alten, müffelnden Zopf, der längst abgeschnitten sein müsste. Die Ausweitung von Kirchenprivilegien auf Moscheegemeinden hieße, den Zopf frisch zu pudern.

Ein faires, selbstbestimmtes System

Eine moderne Institution wie der atheistische Humanistische Verband verzichtet auf das aus der Zeit gefallene Privileg – obwohl er vor einem Jahr zur Körperschaft öffentlichen Rechts erhoben wurde und damit die wichtigste Voraussetzung für dessen Inanspruchnahme erfüllt.

Weil sich die Verhältnisse geändert haben, liegt es im Interesse der Allgemeinheit, die große Reform anzugehen: Weg mit der Kirchensteuer! Alle Religionsgemeinschaften sollen ihre eigenen Beiträge erheben und damit ihre Arbeit finanzieren. Seyran Ates findet, dass alles, was die Gemeinden brauchen, in Zukunft von den Mitgliedern selbst aufgebracht werden kann. So ist es. So kann ein faires, selbstbestimmtes System der Zukunft wachsen.