Berlin - Gut 18.000 Unterschriften von Fahrgästen, ein Brief der BVG-Chefin an den Verkehrssenator und dringliche Bitten der Kommunalpolitik – zum Schluss war alles vergeblich: Berlins einzige Ruderfähre, die zwischen Müggelheim und Rahnsdorf auf der Müggelspree verkehrt, wird endgültig eingestellt. Das teilte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, der Berliner Zeitung am Dienstag mit. „Wir halten die Ruderfähre als Verkehrsleistung nicht für notwendig“, sagte sie. Einen Ersatz für die Strecke über die nur 36 Meter breite Müggelspree soll es nicht geben.

Damit geht nach 102 Jahren eine Tradition zu Ende, die zu Köpenicks Touristenattraktionen gehört wie der Müggelsee oder der legendäre Hauptmann. Entsprechend empört ist man beim Heimatverein. „Es kann nicht sein, dass diese Verbindung ersatzlos gestrichen wird“, sagte Vereinschef Stefan Förster. Zwischen Ostern und Oktober ließen sich jährlich rund 10 000 Menschen über den Fluss rudern. „Für viele ist das ein Erlebnis, das sie zum Wiederkommen bewegt.“

Bei einer Wahlkampfveranstaltung, so Förster, habe er den Regierenden Bürgermeister deshalb um Unterstützung für den Weiterbetrieb der kleinen Fähre gebeten. „Herr Wowereit hatte versprochen, sich dafür einzusetzen.“ Eine Reaktion sei nicht erfolgt. Auch im Köpenicker Rathaus ist man enttäuscht, wie Bürgermeister Oliver Igel (SPD) sagte: „Die Entscheidung ist völlig unverständlich, weil so eine Tradition kaputt gespart wird.“

Tatsächlich geht es vorrangig um Geld. Rund 60.000 Euro betrug der Landeszuschuss im Jahr für die Ruderfähre, die im Auftrag der BVG verkehrte. Das Geld gebe es nicht mehr, sagte Petra Rohland. Das blau und rot gestrichene Ruderboot, in das acht Fahrgäste passen, ist die kleinste der sechs Berliner Fähren. Bislang wurden alle von der Stern- und Kreisschifffahrt betrieben.

Bei der Wannsee-Fähre bleibt das auch so, die übrigen Verbindungen übernimmt vom kommenden Jahr an die Weiße Flotte Stralsund. Deren Schiffe sind umweltfreundlich und behindertengerecht, wie es die Ausschreibung verlangt hatte. Weil die Ruderfähre nicht behindertengerecht ist, sollte auch ihre Strecke von einem größeren Schiff übernommen werden. Doch ein dafür notwendiger Ausbau des Müggelheimer Anlegers ist wegen der engen Wasserstraße unmöglich.

Touristen, die von Müggelheim nach Rahnsdorf wollen, müssen künftig über Land fahren. Neun Kilometer beträgt die Strecke.