Berlin - Sie ist die kleinste der sechs Berliner Fähren und die einzige, die ausschließlich mit Muskelkraft betrieben wird: die Ruderfähre zwischen dem Alten Fischerdorf Rahnsdorf und Müggelheim im Südosten der Stadt. Acht Menschen passen in das rote Kunststoffboot, dessen Fährmann für die Reise über die nur 36 Meter breite Müggelspree ganze drei, maximal vier Minuten braucht. Gut 12 000 Passagiere lassen sich jedes Jahr zwischen Ostern und Oktober so übersetzen. Ende März, wenn die diesjährige Saison beginnt, startet die Fähre, die bei der BVG offiziell als F 24 geführt wird, in ihr 102. Jahr.

Es wird die letzte Saison der F 24 sein. Denn in den neuen Verträgen für die Berliner BVG-Fähren, die ab 2014 gelten, ist die kleine Ruderfähre nicht mehr enthalten. Nur noch vier statt wie bisher fünf Fähren werden dann auf den Treptower und Köpenicker Gewässern unterwegs sein. Neuer Betreiber im Südosten ist dann die Weiße Flotte Stralsund, die mit ihren elektrisch betriebenen, umweltfreundlichen Schiffen die Ausschreibung des Senats gewann und den bisherigen Betreiber, die Berliner Stern- und Kreisschifffahrt, ablöst. Der Vertrag soll in dieser Woche unterschrieben werden, heißt es in Stralsund.

Proteste von Kirchen- und Bürgerverein

Für die Senatsverkehrsverwaltung ist das Aus für die traditionelle Ruderfähre in Rahnsdorf kein Verlust. „Der Verkehr der F 24 wird von der größeren Fähre F 23 mit übernommen, die ebenfalls in der Region fährt“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Die F 23 soll einmal pro Stunde am Müggelwerder Weg in Rahnsdorf starten und über den Großen und den Kleinen Müggelsee fahren, ehe es zurück zur Kruggasse ins Alte Fischerdorf Rahnsdorf geht. Am Müggelheimer Ufer müsse die BVG, in deren Auftrag alle Fähren verkehren, noch einen passenden Anleger bauen.

Das neue Stralsunder Schiff, so Rohland, biete 35 Personen Platz und sei zudem behindertengerecht. Was die kleine Ruderfähre nicht ist, Rollstuhlfahrer haben damit keine Chance auf Beförderung. Die Behindertenfreundlichkeit der neuen Fähre ist ein starkes Argument, sollte man meinen. Doch in Rahnsdorf überzeugt es nicht. Dort protestieren Kirchen- und Bürgerverein gegen die Einstellung „ihrer“ Traditionsfähre.

Unterschriftenaktion geplant

„Die Ruderfähre gehört hierher, auch weil sie Touristen an den Stadtrand lockt“, sagt Fischermeister Andreas Thamm, dessen Fischgut sich gleich neben dem Fähranleger befindet. Es sei nicht mal geprüft worden, ob ein privater Betreiber die alte Fähre retten könne, kritisiert er. Thamm, der letzte Berufsfischer in Köpenick, hält nicht viel von der „Obrigkeit“: Der Senat, schimpft er, habe nichts dagegen getan, dass der Müggelsee durch den Flughafen BER mit Lärm und Dreck überzogen werden soll. „Jetzt machen sie mit einem Federstrich ein weiteres Stück Tradition kaputt, nur um rund 60 000 Euro Personalkosten zu sparen.“

Auch beim Heimatverein Köpenick herrscht Unverständnis. Nach drei der Rahnsdorfer Fährmänner seien im Ortsteil sogar Straßen benannt worden, heißt es: „Die Ruderfähre gibt es seit 1911, so etwas stellt man doch nicht klammheimlich ein“, sagt Vereinschef Stefan Förster. Mit Unterschriftensammlungen und Protestaktionen soll ab Ostern die letzte Saison der F 24 begleitet werden. In der Senatsverwaltung kontert man kühl: Es sei ähnlich wie bei Gasleuchten und Kohleöfen, meint Petra Rohland: „Man muss bei aller Tradition auch mal nach vorne denken.“