Die Sorge, der Neubau der Mühlendammbrücke in Mitte werde auf Jahrzehnte eine urbane Aufwertung des historisch bedeutsamen Raumes unmöglich machen, hat 14 Vereine und Initiativen veranlasst, einen Brandbrief an die beiden zuständigen Senatorinnen für Stadtentwicklung und Verkehr, Katrin Lompscher (Linke) und Regine Günther (parteilos/für Grüne), zu schreiben. Darin fordert die „Allianz für einen neuen Mühlendamm“, die laufenden Vorbereitungen für einen Realisierungswettbewerb zu stoppen, „damit nicht mit Planungen der Vergangenheit die Zukunft verbaut wird“, wie es in dem Offenen Brief heißt.

Die achtspurige Mühlendammbrücke – zentrales Element einer Verkehrstrasse, die den historischen Stadtkern Berlins durchschneidet – muss abgerissen werden. Sie ist wie die baugleiche, ebenfalls 1968 eröffnete Elsenbrücke marode.

Die Allianz beklagt, dass die Planung auf Verkehrserhebungen der 1990er-Jahre besteht und „damit nicht die gegenwärtige Trendwende in der Verkehrspolitik“ berücksichtigt. Verkehrssenatorin Günther hatte erst kürzlich gesagt, man wolle die Berliner zur Abschaffung ihrer Autos bewegen.

Gründungsort der Stadt, wichtigstes Verbindungsglied

In dem Brief wird nun festgestellt, dass der Realisierungswettbewerb für den Neubau zwar Fahrradstreifen und Straßenbahn vorsieht, „aber eben auch drei Fahrspuren je Richtung“. Das bedeutet nach Ansicht der Allianz: „Hier wird für die nächsten 100 Jahre ein Bauwerk errichtet, das nicht der Politik der Landesregierung und schon gar nicht dem Bürgerwillen entspricht.“ Das habe der Beteiligungsprozess „Alte Mitte – Neue Liebe“ ergeben, und auch in der zur Zeit laufenden Stadtwerkstatt gehöre die Reduzierung des Durchgangsverkehrs in der Altstadt zu den zentralen Forderungen.



Der Brief weist darauf hin, dass in diesem Debattenforum der Mühlendamm, Gründungsort der Stadt, wichtigstes Verbindungsglied zwischen den historisch bedeutendsten Plätzen der Stadt, dem Molkenmarkt und dem Köllnischen Fischmarkt, als Kreativort identifiziert und besprochen worden sei. Es wird daran erinnert, dass die Senatsplanung vorsieht, diese Stadtplätze wiederzugewinnen. Weiter heißt es, der Mühlendamm habe mit der Ergänzung der Fischerbrücke „enormes Potenzial, neue Verknüpfungen in der Stadt zu schaffen und durch die Nutzung der Wasserkraft ein Zeichen im Sinne der Ökologie zu setzen“.
Angeregt wird ein Runder Tisch zur interdisziplinären Abstimmung. Die Entwurfsstudie der Allianz regt in freier Interpretation der historischen Situation an, auf der Brücke Gebäude und Kolonnaden zu bauen.