Berlin - Für Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) kann eine No-Covid-Strategie nicht der einzige Maßstab bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein. „Wir können nicht dauerhaft im Lockdown leben“, sagte Müller. Öffnungen erst ab einer Inzidenz von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, wie von Wissenschaftlern gefordert, seien aus der Gesundheitsperspektive zwar das richtige Ziel, aber nur langfristig und sehr schwer zu erreichen. Dabei drohten fatale Folgen etwa im Sozialen, in der Bildung und Wirtschaft, sagte Müller in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

„Ich möchte auch die Inzidenz von zehn erreichen! Die Frage ist: Will ich das im kompletten Lockdown erreichen oder versuchen, auf dem Weg dahin schon ein paar Dinge möglich zu machen?“, sagte Müller. Er sehe sich eher auf dem zweiten Weg.

Seit einem Jahr würden die Bürger aufgefordert, die Einschränkungen mitzutragen, bis ein Impfstoff oder ein Medikament vorhanden sei. „Jetzt haben wir Impfstoffe, und wir müssen nun alle Kraft darauf verwenden, um damit die Gesundheit der Menschen zu schützen – durch Impfen und durch vermehrte Tests“, sagte der SPD-Politiker.

Die erneut steigenden Infektionszahlen bereiteten ihm große Sorgen. Wegen dieser Gefahr vor allem durch die Mutanten müsse man vorsichtig bei möglichen Öffnungsschritten vorgehen. „Wir mussten lernen, dass das Virus viel schneller durchschlägt, die Infektionsketten rasant eskalieren und das Impfen noch dauert“, sagte der Regierende Bürgermeister.