Berlin - Sie tragen Uniform oder normale Kleidung und sind auf den Straßen Wiens geachtet: Mit der Müllpolizei, auch Waste Watcher genannt, hat Österreichs Hauptstadt den Kampf gegen den Dreck gewonnen. Ein zurückgelassener Hundehaufen oder ein weggeworfener Zigarettenstummel kostet 50 Euro und mehr Strafe. Jetzt wird getestet, ob solche Waste Watcher auch in Berlin zum Einsatz kommen sollen.

In Wien sieht das zum Beispiel so aus: Ein Passant zieht vor einem Supermarkt an einer Zigarette und wirft sie lieber nicht weg – er hat Daniela Kerculj gesehen, die mit Notizblock, Fotoapparat freundlich lächelnd dasteht. Auf ihrer blauen Weste glänzt eine Marke, auf dem Rücken steht „Waste Watcher.“ Ihr Kollege Gerhard Vaczeck begleitet sie in Zivil. Höflich, aber bestimmt achten beide darauf, dass die Wiener nichts auf die Straße werfen und alles im Papierkorb landet. Sie ist seit dem Start 2008 dabei, es sei seitdem sauberer, findet sie. „Doch es gibt auch Personen, die vor Gewalt nicht zurückschrecken“, so Daniela Kerculj. „Du musst mit den Menschen auf Augenhöhe sprechen, wir sind keine Sheriffs“, ergänzt sie.

Die 50 hauptberuflichen Waste Watcher arbeiten für die Straßenreinigung, sie sind in den 23 Bezirken Wiens täglich unterwegs. Zu den 50 Hauptberuflichen kommen 400 Teilzeitkräfte. Alles wird übergeordnet organisiert, nicht auf Bezirksebene.

Die Strafen sind per Gesetz geregelt: Wer öffentliche Flächen oder Gewässer verunreinigt, Stadtmobiliar beschädigt, Flüssigkeit oder Farbe zurücklässt, muss 50 Euro zahlen. Wer nicht zahlt, für den wird es noch teurer. Auch das Urinieren in der Öffentlichkeit zählt dazu. Wer Sperrmüll wie in Berlin auf der Straße abstellt, muss mit dreistelligen Strafen rechnen. Auf bis zu 2000 Euro könne die Strafe steigen.

Kein Krümel auf der Straße

Es wirkt. Zumindest im Stadtkern Wiens liegt kein Krümel auf der Straße. Vor zehn Jahren gab es noch Beschwerden und Unterschriftenlisten gegen Hundehaufen. Wien reagierte, erließ ein Reinhaltegesetz und investierte ein paar Millionen Euro. Tausende Automaten, an denen man Tüten für Hundekot kaufen kann, wurden seit 2008 aufgestellt. Dazu kamen Papierkörbe und Rohre für Zigarettenkippen mit flotten Sprüchen. Die Werbekampagne hatte Erfolg. Inzwischen landen in der österreichischen Hauptstadt sechs Tonnen Hundekot nicht mehr auf der Straße. Täglich. Nach Angaben der Stadt Wien finden 85 Prozent der Leute die Müll-Polizei gut.

Die SPD-Politiker Joschka Langenbrinck, Franziska Becker, Clara West und Tino Schopf haben das Wiener Modell studiert und möchten Waste Watcher für Berlin. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket wollen sie in den Doppelhaushalt 18/19 einbringen. „Wien zeigt, dass eine Großstadt den Kampf gegen den Müll gewinnen kann“, so Langenbrinck, den Sperrmüll auf Neuköllns Straßen nervt. Deswegen wird die kostenlose Sperrmüllabholung zweimal im Jahr wieder eingeführt, werden die Straßen besser gereinigt. Die BSR macht mehr Parks sauber als bisher. Es gibt wie in Wien eine Kampagne, mit denen sich die Berliner identifizieren.

„Es geht nicht darum, die Leute abzustrafen. Wir wollen alle, dass Berlin sauberer wird“, so Clara West.