Masken dienen ganz verschiedenen Zwecken. Hier geht es wahrscheinlich nur um reinen Spaß.
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BerlinIch möchte mal wieder etwas über den Mund-Nasen-Schutz schreiben, kurz Maske genannt. Denn ich habe das Gefühl, unsere Zeit wird als „Ära der Masken“ in die Geschichte eingehen, und da sollte sich die Berliner Forschung schnell zusammenfinden, um eine große, nobelpreisträchtige Theorie der Maskologie zu erfinden. Gründet ein „Berlin Center for International Mask Studies“! „Der Stoff dafür looft ja uff de Straße rum“, sagt mein innerer Berliner.

Alle könnten mitmachen: Biologen, Mediziner, Philosophen, Medienwissenschaftler, ja sogar die allseits beliebten Gender Studies. Deren zentrale Frage ist: Gibt es geschlechtstypische Eigenheiten beim Maske-Tragen? Eine These dazu hat gerade die Kabarettistin Lisa Feller entwickelt (immer sind die Kleinkünstler schneller als die Forschung!). Sie sagte, dass es unter den Männern zwei Typen gibt: die „Maskenmuffel“ (die es ablehnen, Masken zu tragen) und jene mit den „Muffelmasken“ (die ihre Masken nur einmal im Monat waschen). Das sollten Forscher mal empirisch nachprüfen. „Dit könnte als Muffeltheorie janz groß Forore machen“, sagt mein innerer Berliner.

Oder die Linguistik. Sie könnte klären: Warum tragen manche Leute, die aus der Region um Berlin stammen, den Namen Maske?  Zum Beispiel der Boxer Henry Maske aus Treuenbrietzen. „Vielleicht rannte ja der Urururur-Opa von dem andauernd zum Dorffasching“, sagt mein innerer Berliner. „Oder een Vorfahre war Doktor inne Pestzeit, wo se mit so lange Schnabelmasken ruimjerannt sind.“

Leider Quatsch! Die Anthroponymie, ein Teilgebiet der Onomastik, erklärt: Bei alten ostpreußischen Namen soll „Maske“ auf eine herausragende Persönlichkeit hinweisen und „fähig“ und „tüchtig“ bedeuten. Bei neueren Namen stehe es für einen Russen oder das Kind eines Russen und stamme von „maskolus“ oder „maskolis“ (Moskauer). Varianten seien: Masicke, Masucke, Mask, Maszkutat oder Musculus.

„Maske, Musculus, Musk? Merkste wat?“, ruft mein innerer Berliner. „Warum kommt wohl der Tesla-Chef Elon Musk ausjerechnet in die preußische Streusandbüchse, um hier sein Giga-E-Auto-Dingsbums hochzuziehn? Weil er in Wirklichkeit ooch een preußischer Maske is! Den zieht dit mit aller Macht zurück.“

Auch das ist leider Quatsch. Elon Musk stammt aus Südafrika, sein Name bedeutet „Moschus“, aus dem Englischen übersetzt. „Ja, dit is’n Schreibfehla!“, ruft mein innerer Berliner. „Da is’n U hinjerutscht, wo eijentlich een A jestanden hat. Dit heißt eijentlich Mask. Janz klar!“ Ich habe den Eindruck, er arbeitet schon wie ein echter Forscher: Er hat eine fertige These, die er beweisen will. Koste es, was es wolle.

In der Biologie steht „Maske“ für Kopfzeichnungen von Tieren, die andere Tiere täuschen sollen. Mimikry nennt man so etwas. So mancher Mensch nutzt die Corona-Maske zu ähnlichen Zwecken. Es gibt viele Varianten: lachende Münder, Totenkopfgrinsen, Knutschlippen, Tiergesichter. Die Maske sorgt für mehr Distanz, aber auch für Sympathie, wenn man damit zum Beispiel Humor zeigt.

Ich trag übrigens einfach nur ein schwarzes Ding. Ob das ein Fall für Psychologen ist?

Zum Weiterlesen: Torsten Harmsen: „Der Mond ist ein Berliner. Wunderliches aus dem Hauptstadt-Kaff“, Be.bra-Verlag, Berlin 2019, 224 Seiten, 14 Euro