Eine Familie im Panorama des Pergamon-Museums.
Foto: Ostkreuz/Sebastian Wells

Berlin - Dass der Museumsbesuch am ersten Tag der Wiedereröffnung ein eher geruhsamer Spaziergang werden würde, konnte man schon draußen vor den Türen der Museen ahnen. Vor den Eingängen gibt es derzeit keine Schlangen. Auf dem Boden zeigen Markierungen an, wie viel Abstand einzuhalten ist. Allein, es sind keine Menschen da, zu denen man auf Distanz gehen könnte. Noch nie war ein Museumsbesuch unkomplizierter. Es ist wohl eine Zeit, in der die Berliner ihre Museen wieder entdecken sollten.

Am Dienstag haben die Staatlichen Museen zu Berlin einen Teil ihrer Häuser wieder geöffnet. Auf der Museumsinsel sind es die Alte Nationalgalerie, das Alte Museum und das Panorama des Pergamonmuseums. Die Museumsinsel ist sonst fest in der Hand von Touristengruppen. Mit Reisebussen bestückt wirkt sie auf die Bewohner der Stadt abschreckend. Am Dienstag um die Mittagszeit hingegen sind die Straßen leer und nur wenige Menschen auf den Bürgersteigen unterwegs.

Drinnen im Museum ist man mit den Kunstwerken fast allein. In der Sonderausstellung des Pergamonmuseums „Das Panorama“ betrachtet ein Mann mit seinen beiden Söhnen eine Gruppe antiker Marmorstatuen. Drei Italienerinnen unterhalten sich. Zwei Frauen schreiten von Raum zu Raum. Das sind sie dann schon, die Besucher in den Bereichen direkt hinter dem Eingang. In der Rotunde, dort wo Yadegar Asisi eine 360-Grad-Ansicht der griechisch-römischen Stadt Pergamon in der Zeit um 129 nach Christus auf die 15 Meter hohen, gewölbten Wände gebracht hat, sieht man im ersten Augenblick nur Wachleute, die aufpassen, dass auch jeder einen Mundschutz trägt.

Eine Etage höher machen sich Anja Schirrmeister und Stefan Hermann, beide aus Berlin, mit ihren zwei Töchtern gegenseitig auf einzelne Szenen der Darstellung aufmerksam. „Ich bin so leer, ich lechze nach Eindrücken“, sagt Anja Schirrmeister. Letzte Woche waren sie im Tierpark, diese Woche sind Museen dran. Hauptsache, etwas erleben. Und wenn es dann auch noch so einfach ist – kein langwieriges Im-voraus -Buchen, kein Schlangestehen, keine Menschenmassen. Zu anderen Zeiten ist das Panorama eine Touristenattraktion. 900.000 Menschen besuchten es innerhalb eines Jahres, es ist eine der erfolgreichsten Sonderausstellungen der Staatlichen Museen. Derzeit dürfen sich maximal 250 Menschen gleichzeitig im Gebäude aufhalten. Von dieser Zahl war man am Dienstag aber weit entfernt.

Viele der 170 Berliner Museen haben nun wieder geöffnet: die Gemäldegalerie am Kulturforum zum Beispiel, die Berlinische Galerie, das Deutsche Historische Museum und das Museum für Naturkunde. Auf dem Website VisitBerlin sind die genauen Öffnungszeiten und die jeweiligen Auflagen vermerkt. Fast in allen Häusern muss jetzt  Mundschutz getragen werden. Die meisten Häuser fordern ihre Besucher auf, vorab ein Onlineticket mit Zeitfenster zu reservieren. 

Die seit 22 Jahren existierende „Lange Nacht der Museen“ hingegen wird in diesem Jahr nicht stattfinden. 75 Museen hatten für August zu dieser Großveranstaltung eingeladen. Nun ist sie abgesagt.

Informationen zu offenen und geschlossenen Kultureinrichtungen in der Stadt findet man unter www.visitberlin.de