Berlin - Über die Architektursprache des geplanten Berliner Museums der Moderne wird gestritten, seitdem der Entwurf der Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron öffentlich wurde. Der Name „Scheune“ war dabei nie als Ehrentitel zu verstehen. Bestenfalls wurde das Ergebnis als Notlösung in dem zerfahrenen städtebaulichen Umfeld des Kulturforums betrachtet, meist aber schlichtweg als vollkommen unpassend bezeichnet.

Die Architekten halten sich als Künstler erhaben mit Begründungen ihres Entwurfes zurück. Dabei wären einige Erklärungen nötig, erst recht, seit heraus ist, dass ihr Werk nicht 200, sondern mindestens 450 Millionen Euro kosten wird. Eine Preissteigerung um 125 Prozent, noch bevor der erste Spatenstich getan ist. Einem unbekannten, kleinen Büro wäre eine derart schamlose Steigerung niemals zugebilligt worden. Vielmehr scheint hier die Sehnsucht vorzuherrschen, wie Peking oder London endlich auch „einen HdM“ zu bekommen.

Museum der Moderne: Der Bundestag wird schon mit dem Geld nachziehen

Begründet wird die Kostenexplosion damit, dass man, um das Gebäude nicht ganz so gewaltig erscheinen zu lassen, tiefer in den Berliner Baugrund gehen müsse. Doch genau mit diesem Argument – man solle nicht zu tief bauen – wurden etliche hervorragende Entwürfe aus dem Wettbewerb gestrichen. Wieder einmal versuchen die Preußen-Stiftung und ihre Fürsprecher im Bund die vom Pergamonmuseum, von der Alten Staatsbibliothek oder der Simon-Galerie bekannte Salami-Methode: Ist die erste Tranche von 200 Millionen erst mal frei gegeben, und gibt es dann einen Plan eines „Stararchitekten“, kommt schnell der Grundstein, und dann wird der Bundestag schon mit dem Geld nachziehen. Das ganze Unterfangen ist ein Musterbeispiel dafür, wie Berlin inzwischen jede eigene Planungskompetenz am Kulturforum aufgegeben hat. Dass die Anlage der Potsdamer Straße mit ihren überbreiten Fahrbahnen eine innerstädtische Katastrophe darstellt, darüber sind sich Stadtplaner, Architekten und Landschaftsplaner einig. Statt das Unglück zu verhindern, erklärt uns Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, der Neubau sei ein erregend „archaischer“ Entwurf.

Doch auch der für den Denkmalschutz zuständige Kultursenator Klaus Lederer ist nicht mutiger gegenüber den „Stararchitekten“ und der Bundespolitik. Er traut sich jedenfalls nicht, den Neubau als das zu bezeichnen, was er ist: ein grober Bruch mit den Regeln der Denkmalpflege, der keinem privaten Bauherren jemals gestattet würde.

Vor allem aber ist dieses Museum der Moderne ein Angriff auf alles, was heute, im Zeitalter von Klimawandel und seinen Folgen, Moderne auch in der Kulturarchitektur sein muss. Das Haus soll ganz aus Beton und Stahl und Ziegeln errichtet werden. Das sind hochenergetische Materialien aus nicht erneuerbaren Rohstoffen. Das Haus soll mit gigantischem energetischem Aufwand in die Erde gerammt werden, kann aber nicht einmal energie- und kostensparend die Möglichkeiten der benachbarten Museumsgebäude nutzen.

Museum der Moderne wird weder modern noch klimabewusst

Die Kunstsammler und Kulturstaatsministerin Grütters haben nämlich durchgesetzt, dass der Neubau nicht effizient an der Sigismundstraße, sondern repräsentativ mitten auf dem Kulturforum entsteht. Dabei ist längst nachgewiesen, dass die Platzbedürfnisse der Preußen-Stiftung auch an der Sigismundstraße befriedigt werden könnten. Die Räume müssen permanent be- und entlüftet, geheizt und gekühlt werden. Vorgesehen sind dafür die üblichen technischen Hilfsmittel – aber keine neue Idee, wie man mit Energie und Energiegewinnung in der Architektur umgehen kann. 

Kurz: Dieser Bau steht allem entgegen, was der Bundestag, was die Bundesregierung, was die Berliner Landesregierung vom Umbau Deutschlands zu einem modernen, klima- und energiebewussten Land erwarten. Er sollte nicht gebaut werden, weder an dieser städtebaulich falschen Stelle noch in dieser Architektur mit ihrer ignoranten Haltung gegenüber seinen kostbaren Nachbargebäuden. Und schon gar nicht in der steinzeitlichen Haltung, ein „Kunstwerk“ müsse sich nicht um den Klimawandel kümmern.