Das erste Fenster der Glashalle der Neuen Nationalgalerie wurde am Mittwoch ausgewechselt. Neben den Türen hängen Schilder, auf denen zu lesen ist, dass der Bau bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Wegen Sanierung. Ein Datum für die Wiedereröffnung fehlt.

Dieser offene Zeithorizont hat sich etwas geklärt. Ende 2019 kann voraussichtlich die Sammlung der Moderne wieder einziehen in den dann sanierten Bau, Mitte 2020 wird voraussichtlich wieder eröffnet werden. Wenn alles gut geht. So vorsichtig äußerte sich am Mittwoch Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu nah sind die Erfahrungen mit der Staatsbibliothek, deren Zentraldepot in Friedrichshagen oder dem Eingangsbau zur Museumsinsel.

Erstmals gab das Bundesamt für Bauwesen gestern auch eine Summe für die Sanierungskosten an: 101 Millionen Euro. Die erscheint durch die Voruntersuchungen der Bausubstanz recht stabil und ist vom Bundesfinanzministerium akzeptiert. Im einstigen Direktorenzimmer der Neuen Nationalgalerie wurde es leise. 101 Millionen. In München soll die Sanierung der Neuen Pinakothek nach 35 Jahren Dauerbetrieb um die 75 Millionen Euro kosten.

Gebäude ist welterbeverdächtig

Andererseits, und ohne die Bedeutung der Neuen Pinakothek mindern zu wollen: Die Berliner Neue Nationalgalerie ist einer der ganz wenigen Architekturen, die als Krönung der Klassischen Moderne gelten. Das Hauptwerk von Ludwig Mies van der Rohe ist welterbeverdächtig.

Deswegen soll überaus sorgsam saniert werden. Und das kostet Geld. Die Granitplatten des Sockelbaus – übrigens eine der ersten Natursteinvorhangfassaden der deutschen Baugeschichte – werden wie die Einbauten aus Holz demontiert, die Granitbodenplatten aufgehoben, nur die wenigen völlig zerbröselten ersetzt, andere repariert. Allein diese Arbeiten werden bis 2016 dauern. Dann erst beginnt der eigentliche Sanierungsbau, selbst die Grundleitungen sind marode.

Es bleiben erhebliche Risiken. In den 101 Millionen ist keinerlei Reserve eingepreist. Ein Wahnwitz. Jeder größere Schaden, der zusätzlich entdeckt wird, schlägt als Baukostensteigerung zu Buche. Auch die Wiedereinrichtungskosten sind nicht bekannt. Und wieder muss die Bauverwaltung ihre Aufträge nach „Wirtschaftlichkeit“ ausschreiben, statt nach Kompetenz aussuchen zu dürfen. Es beruhigt also durchaus, dass es die Planer des Büros von David Chipperfield sind, die das Projekt betreuen. Sie haben das Neue Museum für gut zehn Prozent preiswerter restauriert als kalkuliert und planen erst, um dann zu bauen. Eine gewisse Garantie, dass ein Desaster wie das an der Staatsoper sich nicht wiederholt.