Die Eröffnung des neuen Körperwelten-Museums am Fernsehturm verlief am Mittwoch unspektakulär. Nur 20 Besucher warteten vor dem Eingang, als der Plastinator Gunther von Hagens und seine Ehefrau Angelina Whalley um 9 Uhr die Türen öffneten. Auch am Vormittag kamen nur wenige Menschen, die sich die Dauerausstellung mit 20 komplett plastinierten Leichen – sie tragen Namen wie Skateboarder, Balkenturnerin und Balletttänzerin – ansehen wollten.

„Die Ausstellung ist sehr schön, ich weiß gar nicht, warum sich die Leute so aufregen“, sagt Rudolf Pohl aus Prenzlauer Berg. Besonders gefallen ihm die Ganzkörperplastinate. „Man kann sehr gut die Muskeln und Sehnen sehen. Das ist kein Gruselkabinett.“ Die Gesundheitsbotschaft von Whalley, die sich wünscht, dass die Besucher über ihren Körper nachdenken und bewusster leben, erreicht Pohl aber nicht. „Ich rauche schon ewig nicht mehr. Und auf Montage bin ich genug gelaufen.“

Andere Besucher können nicht nachvollziehen, dass durch die Ausstellung der plastinierten Körper die Würde der Menschen verletzt werde, wie es die evangelische Kirche kritisiert. „Die Körper sind ästhetisch. Daran ist nichts Anstößiges“, sagt eine Frau.

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Der Bezirk geht indessen weiter juristisch gegen das Museum vor. Wie Bürgermeister Christian Hanke (SPD) sagt, habe man Rechtsmittel gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts eingelegt. Hanke verweist auf die obergerichtliche Rechtsprechung, derzufolge Plastinate Leichen im Sinne des Bestattungsrechts sind, so dass für die Ausstellung eine Genehmigung erforderlich sei.

Das Verwaltungsgericht hatte das im Dezember anders bewertet und gegen den Bezirk geurteilt. Unabhängig vom Streit sieht Hanke durch die Ausstellung die Würde des Menschen verletzt.

Whalley hält entgegen, man gehe respektvoll mit den Toten um. „Wir zeigen den Menschen in seiner Körperlichkeit. Ich kann nichts erkennen, was daran unwürdig sein soll.“