Berlin - Am Bühneneingang des Theaters des Westens stehen Fans. Die lauern hier jeden Abend, um mit den Hauptdarstellern einige Worte zu wechseln. Falls mal kein Fan warten sollte, ist garantiert Montag. Montags ruht sich das Ensemble des Musicals „Tanz der Vampire“ aus. Diesen Tag zum Regenerieren brauchen auch alle, denn besonders das Wochenende ist eine Knüppeltour.

Veit Schäfermeier, der schon zur Berliner Premiere 2006 die Hauptrolle des Professors Abronsius spielte und als Professor seit November 2011 nach längerer Pause wieder auf der Bühne steht, weiß jeden Freitag vor der Vorstellung: Jetzt wird es besonders anstrengend. Vier Vorstellungen in drei Tagen, denn am Sonnabend gibt es vor der Abendshow auch eine am Nachmittag.

Demnächst wird ihm und seinen Kollegen noch mehr abverlangt. Seit das Ende des „Tanz der Vampire“-Gastspiels in Berlin für den 25. August angekündigt wurde, steigt die Nachfrage nach Karten. Bald wird also auch der Sonntag wieder einer mit zwei Vorstellungen.

Ein besonders gefragter Darsteller

Veit Schäfermeier hat seine Garderobe so gemütlich eingerichtet, wie es eben geht. Die orangefarbenen Vorhänge, die zur Ausstattung gehören, hat er durch dezentere Modelle ersetzt. In einem Regal sammelt er die Geschenke von Fans. Die fallen, wegen des morbiden Inhalts von „Tanz der Vampire“, meist gruselig aus: Ein Glas voller Augen, eines mit einem Gehirn, eine Dose Rattenfleisch (steht jedenfalls drauf). In der Ecke steht ein Sofa. An Tagen mit zwei Vorstellungen stellt sich in der Pause dazwischen die Frage: „Lege ich mich hin, um ein wenig zu schlafen? Oder bin ich dann für die zweite Show zu müde?“

Schäfermeier ist 36 Jahre alt und gehört zu den besonders gefragten Musicaldarstellern. Seine Ausbildung absolvierte er am Konservatorium der Stadt Wien. Damals lief dort „Tanz der Vampire“ und er schaute es sich oft an: „Mit billigen Studenten- oder Stehplatzkarten konnte ich mir das immer mal wieder leisten.“ Eine Besonderheit großer Musicalproduktionen ist, dass einige im Ensemble mehrere Rollen einstudiert haben. Viel mehr noch als an anderen Theatern, wo eine Vorstellung wegen der Erkrankung eines Hauptdarstellers auch mal ausfallen kann, heißt es hier: Der Lappen muss hochgehen. Schäfermeier, der im Vampiremusical vom Professor über Chagall und den Dorftrottel bis hin zu Graf von Krolock schon fast alles gespielt hat, erlebte nur einmal, dass eine Vorstellung ausfallen musste: „Das war in Wien wegen eines Stromausfalls.“

Die Frage, ob er seinen Beruf weiterempfehlen kann, lässt ihn ein wenig schwanken. Einerseits liebt er seine Arbeit und blickt gern auf Rollen wie den Winnetouch in der Uraufführung von „Der Schuh des Manitu“ und Jekyll & Hyde im gleichnamigen Musical zurück. Er würde sich vor einer Empfehlung den Frager genau anschauen: „Man muss es stark wollen und sich bewusst sein, dass es in diesem Beruf auch immer wieder Durststrecken gibt.“ Für ihn fühlte sich die Zeit nach „Der Schuh des Manitu“ wie eine an: „Wenn man es gewohnt ist, sieben bis achtmal pro Woche zu spielen, sind zwei oder drei Auftritte pro Monat in einem Stadttheater nicht viel.“

Während wir uns unterhalten, wird Schäfermeier von der Maskenbildnerin eine Glatze geklebt. Dann schminkt er sich selbst. Bevor es auf die Bühne geht, verstaut er einen GPS-Peilsender unter seinem Kostüm. „Der ist seit dieser Spielzeit neu. Damit werde ich auf der Bühne geortet und anschließend regelt es der Computer so, dass meine Stimme hauptsächlich aus den Lautsprechern kommt, die in meiner Nähe stehen.“ Eine praktische Neuerung, mit der den Zuschauern ein räumliches Hörerlebnis geboten wird. Schäfermeier, der nur fünf Minuten Fußweg vom Theater entfernt in Charlottenburg lebt, spielt auf gelegentlich verschwundene Kollegen an, die im Haus gesucht werden müssen: „Das Orten funktioniert aber leider nur auf der Bühne.“