Es staubt. Das ist das erste, was man spürt am „Tag danach“ im Treptower Park. Die Wiese, auf der am Montag zwei Bühnen des Musikfestivals Lollapalooza abgebaut wurden, gleicht einer Steppe. 140.000 Besucher haben den Rasen am Wochenende platt getrampelt. Ansonsten scheinen die Schäden im Park geringer als befürchtet.

„Uns war klar, dass die Wiese nicht zu retten war“, sagte Ingrid Lehmann, die Leiterin des Straßen- und Grünflächenamtes von Treptow-Köpenick. An einigen Stellen müsse der Boden aufgelockert und dann nachgesät werden. Lehmanns Amt hatte die wichtigste Genehmigung für Lollapalooza erteilt. Bedingung: Das Festival im Gartendenkmal bleibt ein einmaliges Ereignis. Und: Im Park, der für 13 Millionen Euro saniert wurde, durften keine wesentlichen Schäden entstehen.

Jeder Quadratmeter erfasst

Das scheint auf den ersten Blick geglückt, wie die Amtsleiterin bei einer Besichtigung am Montag sagte: „Es sieht besser aus, als wir befürchtet hatten.“ Das trockene Wetter und die Schutzmaßnahmen hätten dazu beigetragen. So mussten alle Bäume und Anpflanzungen eingezäunt, alle Wege mit Spezialplatten belegt werden. Lehmann zeigte sich aber auch beeindruckt vom Verhalten der meisten Festivalbesucher, die kaum Müll in die Anlagen geworfen hätten: „Ich überlege, wie wir es schaffen, dass sich die Parkbesucher an normalen Wochenenden so rücksichtsvoll verhalten.“

Vor dem Festival war der Park Quadratmeter für Quadratmeter erfasst worden. Ein Planungsbüro hatte jeden Baum und Strauch fotografiert. Drei DVDs voll solcher Vorher-Fotos liegen im Grünflächenamt. Ab Freitag, wenn der Abbau beendet sein soll, erfolgt die zweite Bestandsaufnahme. Auf diesen Nachher-Fotos sollen auch Schäden dokumentiert werden, die man auf den ersten Blick nicht sieht.

Kritik von Anwohnern

Am Montag waren Hunderte Arbeiter mit dem Abbau beschäftigt. Sie fuhren die 823 Toilettenhäuschen ab, demontierten Imbissstände und verluden Technik auf Lkw. Einige Parkbereiche wie rund um den Springbrunnen im Rosengarten, lagerten schon wieder Familien im Gras. Andere Orte wie der Uferweg werden noch ein paar Tage für die Logistik benötigt.

Auch die Veranstalter sind zufrieden. „Mit der zweiten Auflage ist Lollapalooza Berlin zum größten innerstädtischen Festival Deutschlands geworden“, sagte Festivaldirektorin Fruzsina Szép stolz. Alles sei gut gelaufen, von den Musik-Acts bis zu den Kunstinstallationen und dem Kinderfest. Auch wenn es im Vorfeld viel Ärger wegen des Lärms gab, hätten weit weniger als hundert Anwohner Ausweichquartiere angenommen. Das Fazit einiger Anwohner fällt nicht so positiv aus. Es gibt Berichte, die nahelegen, dass man bei den Veranstaltern überfordert war mit der Verpflichtung, Hotelzimmer (oder Freikarten) für Lärmbetroffene zur Verfügung zu stellen. Dies sei erst nach ausdrücklichen, oft mehrmaligen Anfragen ermöglicht worden. An klaren Vorab-Infos habe es gemangelt, die Hotlines seien oft nicht erreichbar gewesen.

Standort für Lollapalooza 2017

Direktorin Szép sagte, auch am zweiten Septemberwochenende 2017 werde es ein Lollapalooza in Berlin geben. Dies allein überrascht nicht: Veranstalter und Berlin hatten 2015 einen Dreijahresvertrag geschlossen. Ursprünglich für das Vorfeld des Tempelhofer Flughafens. Doch weil in den Hangars Flüchtlinge wohnen und weil laut Tempelhofgesetz auf dem riesigen Flugfeld Aufbauten verboten sind, muss erneut ein anderer Ort her. Über diesen wird viel spekuliert.

Die Trabrennbahn Karlshorst wird es definitiv nicht sein, sie war schon diesmal als zu klein befunden worden. Auch der Spreepark, wo ab 2017 wieder Veranstaltungen möglich sein sollen, scheint aus dem Rennen. Es gebe keine Anfrage, hieß es bei Grün Berlin. Bleibt eigentlich nur ein Ort, der ausreichend groß und stadtnah zugleich ist: das Maifeld am Olympiastadion. Die Pyronale soll dort nächstes Jahr am ersten September-Wochenende stattfinden. Das zweite wäre frei für Lollapalooza.