Berlin - Immer den Ohren nach. Wer das Musikhaus am Wiesenweg in Lichtenberg sucht, braucht zwischen den Autowerkstätten und Lagerhallen einfach nur gut hinzuhören, woher die Musik kommt. Dann lässt sich die Adresse leicht finden. Eine Trommelgruppe übt, jemand spielt Schlagzeug, im Minutentakt rauschen Regionalzüge und S-Bahnen vorüber. Nein, in dieser Gegend herrscht keine Ruhe. Aber die fordert hier auch niemand. "Wir dürfen hier so laut sein, wie wir sind", sagt Christoph Klemke. Orte wie diese sind selten geworden in der Stadt.

Vor fünf Jahren haben der Musiker und Kulturmanager Christoph Klemke (Cello, Schlagzeug, Gesang) und seine Lebensgefährtin Feline Lang (Schauspiel, Gesang, diverse Instrumente) den maroden Gebäudekomplex des früheren Umspannwerkes (Energiekombinat Ost) vom Vattenfall-Konzern zur Pacht übernommen. Aus heruntergekommenen Büros und Lagern, verlassenen Werkstätten und Kellerräumen hat das Paar mit Gleichgesinnten im Laufe der Jahre eine komplexe Arbeitsstätte für Musiker und Bands geschaffen. Neun Studios gibt es jetzt dort, etliche Proben- und Theaterräume, ein Tanzstudio, eine Bar und einen Klub. Die Bands, die dort proben, heißen zum Beispiel Berlin Boom Orchestra, Das gezeichnete Ich und Radio Havanna, sie machen Dancehall, Elektro, Soulfunk und Indiepop. Auch Musiklehrer, Techniker und Pädagogen nutzen das Haus. Sie singen mit Kindern und bringen ihnen Instrumente bei, Erwachsene lassen sich zu Sounddesignern ausbilden. Es gibt Tanzkurse und sogar eine Kantine. Dort kocht Mamo, ein Italiener. Und in den Aufnahmestudios der Produzententruppe Popschutz haben schon bekannte Bands wie Virginia Jetzt, Kraftklub und Jennifer Rostock ihre Songs eingespielt.

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