Schon als Kind in Haifa, der drittgrößten Stadt Israels, war Aviel Silook (29) kaum vom Fernseher wegzubewegen. Regelmäßig verpasste er den Unterricht, weil er sich bis tief in die Nacht Videoclips auf MTV ansah – in den 80ern und 90ern so etwas wie die Kirche aller Teenager.

Jetzt schlägt sich Silook wieder mit Videoclips die Nächte um die Ohren – für das Debüt seines Musikclip-Awards. Mit dem möchte er alternativen Videokünstlern eine Plattform geben.

Herr Silook, es gibt so viele Musikpreise: den Echo, den Comet, die MTV Europe Music Awards. Warum veranstalten Sie jetzt auch noch den Berlin Music Video Award?

Weil die Künstler, die bei uns mitmachen, bei diesen Mega-Events gar keine Chance hätten. Dort geht es doch nur um große Namen und um teuer produzierte Videos. Wir nehmen jeden ernst und geben jedem die gleiche Chance – ganz egal, welcher Name dahintersteckt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen alternativen Award zu initiieren?

Ich war schon als Kind süchtig nach Videoclips. Das begann in den 90ern, als auf MTV noch richtig gute Videos liefen. Heute schaut doch keiner mehr MTV, weil dort die meiste Zeit nur Werbung läuft. Es gibt so viele gute Clips von unbekannten Bands, die es niemals ins Programm schaffen würden. MTV sollte sich schämen, dass es diesen Künstlern keine Chance gibt. Ich will ihrer Kunst eine Plattform geben.

Wie haben Sie auf sich aufmerksam gemacht?

Wir haben im Dezember dazu aufgerufen, vor allem in den sozialen Netzwerken, wo sich Videoproduzenten austauschen. Unser Projekt hat sich dann relativ schnell in der Independent-Musikbranche herumgesprochen. Richtig ins Rollen kam alles, als der erste Clip eines berühmten Künstlers auf unserer Website hochgeladen wurde: von Radiohead-Sänger Thom Yorke. Das war verrückt. Innerhalb von zehn Tagen hatten wir 100 000 User auf unserer Seite.

Nach welchen Kriterien wurden die Videos ausgesucht?

Qualität und Originalität waren für uns entscheidend – in den Bereichen Pop, HipHop, aber auch radikales Zeug. Ich nenne jetzt keine Namen, aber es haben auch viele berühmte Leute mitgemacht. Wenn uns aber der Beitrag nicht gefallen hat, war uns das auch egal ... Um heute ein gutes Video zu produzieren, braucht man nicht die Universal-Studios. Man kann auch von zu Hause aus mit wenig Geld auf dem Computer etwas schaffen, was richtig cool ist.

Woher kamen die meisten Videos?

Die meisten wurden aus Berlin und anderen deutschen Bundesländern eingereicht. Es gab aber auch welche aus Frankreich (etwa zehn Prozent), sowie Lettland, Österreich, der Schweiz, Schweden und Ungarn. Wir haben Videos, in denen schwedisch und ungarisch gesungen wird. Ich glaube kaum, dass die international eine Chance hätten. Bei uns bekommen sie die. Deshalb war es uns wichtig, lokale Künstler anzusprechen – egal, ob sie aus Berlin kommen oder aus dem Ausland.

Wie viele wurden letztlich nominiert?

Von allen Einsendungen haben wir die 100 besten ausgesucht für insgesamt zehn Kategorien. Zum Beispiel „Best Animation“ oder „Most Trashy“. Die Auswahl ist uns wirklich schwer gefallen. Es gab endlose Gruppenmeetings, in denen wir diskutierten, welche Videos wir nominieren und welche nicht.

Vom 24. bis 28. April findet nun Ihr Award statt. Was genau passiert an diesen fünf Tagen?

Am 24. und 25. April gibt es Networking-Events, wo Videoproduzenten auf Bands treffen. An diesen beiden Tagen können auch Musikinteressierte kommen, um Kontakte zu knüpfen und sich die Videos anschauen. Danach können sie abstimmen und so den Wettbewerb beeinflussen. Am 26. und 27. April finden für verschiedene Kategorien Preisverleihungen statt. Am 28. April endet unser Award mit einer großen Abschlusszeremonie, bei der noch einmal viele Nominierte und Jurymitglieder anwesend sind. An den letzten drei Tagen ist das Haus leider schon voll. Wer möchte, kann aber am Sonnabend nach der Preisverleihung seine Favoriten im L.U.X.-Club auf der After-Party treffen.

Wer sitzt in der Jury?

Wir haben einige Filmexperten und Videoproduzenten in der Jury, aber auch Leute aus der Musikbranche wie Dr. Motte, Ellen Allien und Hanin Elias von Atari Teenage Riot sind dabei.

Interview: Wolfgang Altmann

Berlin Music Video Awards

Mi 24. 4. – So 28. 4., www.berlinmva.com

Öffentliche Veranstaltungen:

Mi 24. 4. und Do 25. 4., 19 Uhr, Villa Neukölln, Hermannstraße 233, Neukölln, 5 Euro

After-Party:

Sa 27. 4., 24 Uhr, L.U.X.-Club, Schlesische Straße 41, Kreuzberg, 8 Euro