Mut zur Lücke: Wie Eltern-Glück auch ohne Bio, PEKiP und Eigenheim funktioniert

Was von Eltern heute verlangt wird, ist ein Wahnsinn. Wobei, Moment. Vielleicht wird das alles ja gar nicht von anderen verlangt und Eltern machen sich viel von ihrem Stress selbst… weil sie es selbst von sich verlangen?

Die dreistöckige Piratentorte zum Geburtstag, die Gurken aus dem Bioladen, die Nägel, die trotz Elternschaft und Job frisch manikürt sind… Weil: Hey, ich hab` mein Leben doch im Griff! Ich kriege das alles hin. Ich bin Superwoman! Nach außen mag das toll wirken, aber es bringt nichts, wenn all das Perfektseinwollen später dazu führt, dass Mama abends frustriert und erschöpft auf der Couch sitzt und in ihr Weinglas weint.

Die Journalistin und Autorin Silia Wiebe aus Hamburg hat diesen Wahnsinn zum Anlass für ein Mutmach-Buch für Eltern genommen, das jetzt bei Kösel erschienen ist. Mit „Mut zur Lücke, liebe Eltern“ legt sie unterhaltsame, erleichternde Argumente und Erfahrungsberichte vor, die erschöpften Eltern helfen, einfach auch mal den Staub unter der Couch liegen zu lassen, den Krabbelkurs ausfallen zu lassen, um mal faul zu sein oder die anstrengendsten Aufgaben an andere zu delegieren. Wir stellen einige ihrer Tipps für mehr Mut zur Lücke im Eltern-Alltag vor.

Mut zur Lücke… beim Essen

Wie viele Kinder mögen kein Gemüse! Wenn sie also mal wieder „Iiih“ und „Bah“ rufen, sobald sie Paprika, Kiwis, Karotten oder Spinat sehen, ist es toll, einen Entsafter zu Hause zu haben. Eltern können ihrem Nachwuchs dann die „fiesen“ Vitamine als Cocktail mit buntem Strohhalm präsentieren. Wenn das nicht zieht, kann Gemüse auch heimlich in Nudelsaucen oder herzhaften Waffeln versteckt werden – geraspelt und unkenntlich gemacht. Und: Wenn der Bioladen zu weit weg ist, darf es übrigens auch gern mal eine Supermarkt-Tomate sein… Tipp für die ganz jungen Eltern: Den Brei nicht jeden Tag neu kochen, sondern in Eiswürfel-Tüten als Mini-Portion einfrieren.

Mut zur Lücke… um Beziehungskrisen vorzubeugen

Alle Eltern werden das kennen: Mutter und Vater kommen abends gestresst nach Hause und sowohl er als auch sie hat Milch gekauft. Oder schlimmer: Beide haben keine Milch gekauft. Um solche Absprache-Versäumnisse zu umgehen, gibt es eine Einkaufs-App für Paare: Buy me a pie.

Ganz wichtig für ein Paar: Zeit zu zweit. Tipp der Autorin: „Spätestens am Tag nach der Geburt Ihres Babys sollten Sie sich hoch und heilig schwören, mindestens einen Abend im Monat der Liebe zu widmen. Der Liebe zu Ihrem Partner!“ Wer keinen Babysitter hat, kann diesen Abend ja auch zu Hause schön gestalten – wenn das Kind mal schläft.

Mut zur Lücke… im Haushalt

Zur Schonung des Nervenkostüms sollten Eltern über folgende Dinge nachdenken, rät die Autorin: Putzhilfe, Trockner, Staubsaugerroboter, Küchenradio, leere Kiste. In die Kiste wandern die Tag für Tag rumfliegenden Spielsachen. Erst Sonntagsabends darf das Kind die Kiste wieder ausräumen, während Mama oder Papa auf der Couch entspannen. Mut zur Lücke empfiehlt Wiebe auch in Sachen Bügelbrett. Das brauche man heute nicht mehr. Knittrige Blusen ließen sich hervorragend mit einem Jackett kaschieren. Und: „…die Zeiten, in denen Bügelfalten etwas über Seriosität verrieten, sind zum Glück vorbei.“

Mut zur Lücke… beim Fördern

Ja, Kinder können sich auch allein und ohne PEKiP-Kurse beschäftigen. Eltern müssen ihnen nur die Zeit lassen. Ab einem bestimmten Alter reicht meist schon eine Kiste Bausteine, Lego oder später Bügelperlen. „Und wenn es sich dann endgültig ausgespielt hat“, sagt die Autorin, „darf Mutti auch mal den Fernseher an- und die Gewissensbisse ausschalten.“ TV-Tipps der Autorin: Ab vier Jahren „Wir Kinder von Bullerbü“, ab 5 Jahren „Caillou“, ab 6 „Pippi Langstrumpf“, ab 7 „Der kleine Nick“.

Mut zur Lücke… beim Wohnen

Wenn das Geld auf dem Konto nicht für ein Eigenheim reicht, muss das für Eltern kein Drama sein, findet Silia Wiebe. Sie empfiehlt das Buch „Hütten von Kindern selbst gebaut“ aus dem Ökobuchverlag, in dem ganz wunderbare Anleitungen für zwanzig verschiedene Hüttenkreationen aus Zweigen, Schnee oder Brettern vorgestellt werden. Ein Weg zum Eigenheim, der Kindern ganz sicher besser gefällt als die Frage nach Miete oder Eigentum, Wohnung oder Haus. Denn ganz ehrlich: Babys und Kleinkinder interessieren sich nicht für designte Kindermöbel oder Bauhaus-Architektur.