„Obwohl ich mir über vieles im Leben nicht sicher war, wusste ich doch, dass ich Kinder wollte, das war schon immer klar und tief in mir verwurzelt. Und zwar im klassischen Sinne, mit Ehepartner. Aber es kam anders.“ Mit 40 Jahren realisiert Susanne, dass sie so schnell keinen Mann mehr finden würde, mit dem sie Nachwuchs bekommen könnte. Nach langem Ringen trifft sie schließlich die Entscheidung: Sie möchte alleine ein Kind, und zwar über eine Samenspende.

Oft fehlt der Partner zum Kinder kriegen

Wie Susanne stehen nicht wenige Frauen mit Mitte Ende 30 vor dem gleichen Problem. Kinder gehören zu ihrem Lebensplan dazu, aber etwas ganz Entscheidendes fehlt: der richtige Partner. Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts von 2012 gaben 40 Prozent der Kinderlosen an, (noch) keinen Partner zur Verwirklichung ihres Kinderwunsches gefunden zu haben.

Die meisten Frauen finden sich damit ab und bleiben kinderlos. Doch nicht alle wollen ein Leben ohne Kind einfach akzeptieren, sie entscheiden sich trotzdem für Nachwuchs, auch ohne festen Partner. Für ihr Buch „Mutter, Spender, Kind“ (Ch. Links Verlag, 2015) hat Anya Steiner solche Frauen getroffen und sich ihre Geschichte erzählen lassen. Beim Lesen wird schnell deutlich: Jede Frau hat ihre eigenen Motive, sucht und realisiert ihren eigenen Weg zum Kind – vom privaten Samenspender, über die Samenbank bis zu Adoption oder Pflegschaft.

Soll mein Kind erfahren, wer sein Vater ist?

Wie Katrin, die sich mit 39 Jahren von ihrem Freund trennte, weil der keine Kinder wollte. „Schon lange fiel es mir schwer, den vielen Schwangeren und Kinderwagen schiebenden Frauen im Kiez ohne Kloß im Hals zu begegnen.“ Sie sucht schon nach anonymen Samenspendern, als ihr Ex-Freund überraschend anbietet, ihr Spender zu werden. Sie vereinbaren: Er hat keine Verpflichtung, sie bekommt das alleinige Sorgerecht, nach der Geburt treffen sie ihn gelegentlich. „Klar ist, dass meine Tochter ihren Vater kennenlernen kann. Das finde ich sehr schön.“

Soll mein Kind einmal wissen, wer sein Vater ist? Diese wichtige Frage treibt alle Frauen von Anfang an um. Leicht macht es sich keine. Manche entscheiden sich für einen offenen Spender, damit das Kind ihn auch kennenlernen kann. Andere wollen lieber, dass der Vater im Leben der Kinder gar keine Rolle spielt. Ein aktuelles Urteil vom Januar 2015 aber schränkt diese Möglichkeit weiter ein: Der BGH entschied, dass Spenderkinder grundsätzlich das Recht haben, den Namen ihres Spenders zu erfahren.

Nur wenige Ärzte helfen Singles mit Kinderwunsch

Der Weg zum Kind ist für alleinstehende Frauen lang und meist umständlich. Denn die geltenden Richtlinien schließen Singlefrauen und gleichgeschlechtlich verpartnerte Frauen von der Kinderwunschbehandlung aus. Da der „Verursacher“ der Schwangerschaft im Zweifelsfall unterhaltspflichtig ist, scheuen es viele deutsche Ärzte, alleinstehende Frauen zu behandeln – weil sie dann rein theoretisch zu Zahlungen verpflichtet werden können. Nur wenige erfüllen Alleinstehenden trotzdem ihren Kinderwunsch.

Anya Steiners Buch gibt einen interessanten Überblick über die rechtlichen Vorgaben – und die vielen Leerstellen, wie die fehlenden Regelungen zur Leihmutterschaft, homosexuellen Elternschaft oder Eizellspende. Die Folgen sind eine Art „Befruchtungstourismus“. Die Frauen müssen oft im Ausland Hilfe suchen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Greta etwa lässt sich in einer belgischen Fertilitätsklinik mit dem Samen eines anonymen Spenders befruchten – erst beim 17. Versuch wird sie schwanger. Simone erfährt mit 38, dass sie bereits in den Wechseljahren ist und entschließt sich für eine Adoption aus dem Ausland. Nach zweieinhalb Jahren Bürokratie, Warten und einer Summe von 24.000 Euro wird sie endlich Mama eines Dreijährigen.

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