Auch beim Einkaufen sollte man sich ökologisch entscheiden. 
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BerlinTOCHTER: Am Freitag wollte ich eigentlich nach der Fridays-for-Future-Demo noch zum Black Friday gehen. Ich brauche ja ein paar Sachen und an dem Tag hätte ich sie billiger kriegen können. Aber im Endeffekt habe ich mich dann dagegen entschieden, weil …

Mutter: Klingt auch ziemlich schräg, erst gegen das Weiter-so demonstrieren und dann shoppen gehen.

Ja, genau. Es kam mir dann egoistisch und bonzenhaft vor.

Ihr habt doch auch gegen übermäßigen Konsum protestiert. Da gab es den Slogan: „Leute lasst das shoppen sein, reiht euch lieber bei uns ein“?

Generation Greta und ich: die Mutter-Tochter-Gespräche
Grafik:  Annette Tiedge

Echt, hab ich nicht gehört. Aber wir sind durch große Einkaufsstraßen gelaufen und da dachte ich mir, was ist denn das für ein Scheißkapitalismus. Warum macht man so was? Und dann hab ich meinen Plan über den Haufen geworfen.

Man muss eben doch bei sich selber anfangen was zu ändern, oder?

Ja, klar.

Du hast neulich gefragt, ob ich alte Klamotten übrig habe. Warum wolltest du die haben?

Na ja, weil es gerade in ist, Sachen von früher zu tragen.

Weil es retro aussieht?

Jep … sind ja auch gute Sachen.

Findest du nicht, dass gerade Jugendliche massenhaft zu Billigketten gehen? Und da kaufen sie dann T-Shirts für zwei Euro, die unter absolut prekären Bedingungen hergestellt werden. Das sind vielleicht nicht dieselben, die bei Fridays-for-Future demonstrieren. Vielleicht aber doch. Das klafft so auseinander. Finde ich erstaunlich.

Hat halt mit der Einstellung zu tun. Wenn man sich für Umwelt und Menschen interessiert, hat man Mitleid mit Leuten, die in Bangladesch oder Indien unter schlimmen Bedingungen was zusammenschustern.

Prekäre Arbeitsbedingungen sind auf jeden Fall ein Problem, aber auch unser hoher Anspruch.

Aber wer bestimmt denn, dass ein T-Shirt nicht genauso viel wert ist wie ein Pullover? Bei T-Shirts ist es echt extrem. Die meisten suchen einfach das, was am günstigsten ist und die Firmen bieten das an, sonst kauft es ja keiner. Das ist das Problem.

Aber es könnte auch jeder, du, deine Freunde, jugendlich oder erwachsen beim Einkauf darauf achten, wie die Sachen hergestellt werden.

Vielen ist es das aber nicht wert. Die kaufen kein T-Shirt für 25 Euro.

Gleichzeitig bezahlen sie viele hundert Euro für ein neues Mobiltelefon.

Es ist eben einfach, die Zusammenhänge zu verdrängen. Asien ist weit weg. Dass da Menschen leiden, interessiert hier niemanden. Die sehen nur: T-Shirt für zwei Euro, geil. Ist halt Verdrängung. Shoppen macht ja keinen Spaß, wenn du bei jedem zweiten T-Shirt, was schön aussieht, sagen musst, ne sorry, dafür haben Kinder gearbeitet.

Aber ist es nicht der gleiche Spaß, wenn man nicht zehn Sachen in seine Tüte schaufelt, sondern zehn anprobiert, aber dann nur eins mitnimmt.

Wenn man sowieso das Problem die ganze Zeit verdrängt, warum soll man sich dann Gedanken machen, wenn man das T-Shirt in der Hand hat?

Glaubst du, dass Jüngere beim Shoppen gedankenloser sind?

Nee. Auch Erwachsene gehen zum Discounter. Alle müssen den Kopf einschalten.