Schwedt - „Ja“, sagt Martina F. Sie könne sich noch an diesen Morgen erinnern. „Mein Bruder Mario lag auf dem Boden. Der Notarzt beugte sich über ihn. Er machte meinem Bruder die Augenlider auf und leuchtete ihm in die Augen.“ Das Bild habe sich tief eingeprägt. „Ich habe mich damals gefragt: Warum macht der Notarzt das?“

Martina F. hat ihre blonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Die 45 Jahre alte Frau redet zaghaft. Sie blickt dabei immer wieder zu der Angeklagten, die ihre Mutter ist und die Mutter von Mario. „Wissen Sie noch mehr von diesem Morgen?“, will Udo Lechtermann, der Vorsitzende Richter, wissen. Martina F. schüttelt den Kopf. Niemand kann es ihr verdenken. Denn jener Tag, um den es in diesem Prozess am Landgericht in Neuruppin geht, liegt 41 Jahre und sieben Monate zurück. Martina F. war vier Jahre alt, als ihr toter Bruder im uckermärkischen Schwedt von dem Notarzt untersucht wurde.

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