Der Angeklagte Ali H. vor Gericht. 
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BerlinWarum mussten Homa Z. und ihre neun Jahre alte Tochter Tajala sterben? War es wirklich ihr Nachbar, der 32-jährige Ali H., der in den Mittagsstunden des 29. Februar dieses Jahres in der Wohnung der Familie in der Wörlitzer Straße in Marzahn zunächst die 38-jährige Frau mit 37 Messerstichen tötete und dann das Mädchen umbrachte?

Seit Montag muss sich Ali H. wegen zweifachen Mordes vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts verantworten. Der Oberstaatsanwalt Dieter Horstmann wirft ihm vor, Homa und Tajala Z. aus Habgier und zur Ermöglichung und Verdeckung einer Straftat getötet zu haben. Der Angeklagte habe in der Wohnung der Nachbarsfamilie ungestört nach Geld und Wertsachen suchen wollen, dort jedoch nichts Verwertbares gefunden. Laut Horstmann galt die Familie Z. in der afghanischen Community als gut situiert.

Ali H. sitzt seit dem 27. März in Untersuchungshaft. DNA-Spuren sollen ihn überführt haben. So fanden die Ermittler an dem rechten Mittelfinger von Homa Z. eine Hautschuppe, die dem  gelernten Automechaniker zugeordnet werden konnte. Auch an dem ermordeten Mädchen soll DNA-Material des Angeklagten sichergestellt worden sein.

Ali H. lauscht der Anklage aufmerksam, ein Dolmetscher übersetzt ihm die Anklagepunkte. Bis zu seiner Verhaftung galt er als hilfsbereiter Nachbar der Familie Z., ein Landsmann aus Afghanistan, der mit seiner Ehefrau und zwei Kindern im selben Haus lebte. Als Ahmad Z., der Ehemann von Homa Z. und Vater von Tajala, an jenem Sonnabend von der Arbeit auf einem Wochenmarkt in Schöneberg nach Hause kam, konnte er die Wohnungstür nicht aufschließen. Ali H. soll seinem Nachbarn zu Hilfe geeilt sein.

Schließlich alarmierten sie die Polizei. Ein  Schlüsseldienst öffnete die Tür. In der Wohnung fand Ahmad Z., der in Afghanistan als Sozialarbeiter tätig war, die Leichen seiner Frau und seines Kindes. Der Mörder hatte nach der Tat den Inhalt eines Feuerlöschers versprüht, um  Spuren zu verwischen.

Nach seiner Verhaftung bestritt Ali H., der Mörder von Mutter und Kind zu sein. Auch seine Anwälte gehen von seiner Unschuld aus. In einer Erklärung zu Prozessbeginn fragen sie, warum ihr Mandant eine Geldkassette mit 20.000 Euro sowie einige Geldscheine auf dem Boden der Wohnung zurückließ, wenn er es doch auf das Geld der Familie abgesehen haben soll.

Zudem lasse der Tatort eher auf eine Strafaktion schließen, sagt Anwalt Lüder Suling. Die Frau sei regelrecht übertötet worden, was auf Hass und große Wut hindeute. Ihre Leiche sei aber nicht offen zur Schau gestellt, sondern in Tücher gewickelt worden. Auf dem Körper habe eine Gebetskette gelegen - „wie bei einem islamischen Begräbnis“. Die Tötung der Tochter sei hingegen „inszeniert“ worden, sagt Suling, ohne näher darauf einzugehen.  

Ali H. habe außerdem kein Motiv gehabt, die Familie derart zu hassen. Es sei zwischen den Familien nie zu Streit gekommen. Auch sei der Angeklagte in keinen finanziellen Nöten gewesen. Einen Tag vor dem Doppelmord habe er seinen Lohn erhalten. Auf seinem Konto seien über 1000 Euro gewesen.

Laut Suling spreche außerdem einiges dafür, dass zwei Täter am Werk gewesen seien. So hätten die Rechtsmediziner ausgesagt, zur Tötung von Homa Z. seien vermutlich zwei Messer benutzt worden. Warum sollte ein Täter zwei Tatwaffen verwenden? Das oder die Messer wurden nicht gefunden.

Die Anwälte des Angeklagten wollen nun mithilfe des Handys von Ali H. ein Geodatenbewegungsprofil vom Tattag erstellen lassen. Dies werde belegen, dass ihr Mandant in den Mittagsstunden auf dem Weg von seinem Wohnhaus in ein Einkaufszentrum gewesen sei. Die Anklage gehe nämlich davon aus, dass der Angeklagte für die Zeit zwischen 11.30 und 12.24 Uhr kein Alibi habe. Letztlich werde der Prozess ergeben, dass der Tatverdacht gegen Ali H. nicht zu halten und der Angeklagte freizusprechen sei.

Ahmad Z. ist in dem Prozess Nebenkläger. Er wird nach Angaben seiner Anwältin Nadija Samour am übernächsten Verhandlungstag als Zeuge aussagen und dann der Verhandlung jeden Tag beiwohnen. „Der Prozess ist für ihn eine extrem schwere Prüfung“, sagt die Juristin. Auch die Schwester von Homa Z., die in Großbritannien lebt, erwäge, sich der Nebenklage anzuschließen.