Berlin - Ein Schicksalsschlag, der Verlust des Jobs, Ärger und Frust: Es gibt viele Gründe, warum Menschen in Notsituationen geraten, die dazu führen, dass sie am Ende sogar auf der Straße landen. Für alle, deren Zuhause gefährdet ist, gibt es jetzt eine neue Beratungsstelle: Sozialpädagoge Marco Schulze bietet bei „My Life, My Way“ kostenlose Unterstützung.

Seit einer Woche stehen die Türen der gemeinnützigen Gesellschaft nahe des U-Bahnhofes Hermannplatz offen. Und er ist der Chef: Marco Schulze ist Sozialpädagoge – und wird in seiner Agentur zum Anwalt der entrechteten Mieter. Seit 1998 arbeitet Schulze im Bereich Wohnungslosenhilfe. Zusammen mit seinen Kollegen widmet sich der 45-Jährige „mit Leidenschaft“ der Aufgabe, Menschen zu helfen.

„Überall hört man ständig: ,du sollst das machen, du sollst das nicht machen‘, aber uns ist es wichtig, dass die Leute Unterstützung bekommen, damit sie ihren eigenen Weg wieder selbst bestimmen können“, sagte er der Berliner Zeitung. „Wir sind zuständig für Menschen, die eine gefährdete oder gar keine Wohnung haben, die sich in einer schwierigen sozialen Lage befinden.“

Eine der häufigsten Ursachen, die Schulz beobachtet, sei die Trennung eines Ehepaars oder der Tod eines Verwandten. „Nach beiden Arten von Lebenskrisen wissen viele nicht, wie sie die Situation bewältigen sollen.“ Das typische Klischee des Unruhe stiftenden Obdachlosen stimme nicht. „Wohnungslose sind ganz normale Menschen, die sich plötzlich in einer Notlage finden.“ Er lernte sogar schon Ärzte, Ingenieure und Geschäftsführer kennen, die plötzlich draußen schlafen mussten.

Schuld sei auch der Wohnungsmarkt: Als Schulze 1998 nach Berlin kam, „gab es zu viele Wohnungen und sie waren billig“, sagt er. Heute sei es umgekehrt. „Niemand hat damit gerechnet, dass der Wohnungsmarkt sich so schnell verändert.“ Die Mieten sind teuer, der Platz gering, mehr Leute ziehen her, Spekulanten tun ihr übriges. Schulze sieht seine Beratungsstelle als wichtige Einrichtung. „Wegen der Gentrifizierung in Neukölln sind die Wohnungen aufgewertet worden und jetzt können sich die meisten Menschen eine solche Wohnung nicht leisten.“

Der Berliner Mieterverein begrüßt das Engagement. „Wir kümmern uns vor allem um Menschen, die noch eine Wohnung haben und Hilfe brauchen“, sagte Wibke Werner, stellvertretende Chefin des Vereins. „Deswegen ist es gut, dass andere Organisationen auch Obdachlose betreuen.“ Rund 20 Menschen betreute die Agentur bisher, half beim Weg durch den Behördendschungel, half in emotionalen und psychischen Notfällen.