Berlin - „Es gab Schwachstellen bei der Melde- und Berichterstattung und in der Organisation“, sagte Stabsleiter Jürgen Klug am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Am 1. Mai war er oberster Einsatzleiter. Die späte Information über die Funde hatte Kritik und Verunsicherung ausgelöst.

Wie berichtet, hatten Polizisten bei der abendlichen Demo in der Oranien- und der Markgrafenstraße insgesamt drei Alu-Rohre mit Zündschnur gefunden. Doch erst eine Woche später informierte die amtierende Polizeichefin Margarete Koppers die Öffentlichkeit. Nach ihren Ausführungen hätten die Sprengkörper bei einer Explosion im Umkreis von 20 Metern schwere Verletzungen verursachen können. Inzwischen stellte sich bei Versuchen auf dem Sprengplatz Grunewald heraus, dass die anfängliche Gefährdungseinschätzung, die auf einen fehlerhaften Schnelltest basierte, nicht stimmte. Die Polizei räumte ein, dass die Rohre nicht explosionsfähig waren.

Schnelltest war angeblich falsch

Laut Koppers wurde am 3. Mai aus einem der Rohre eine Probe entnommen und eine Kleinstmenge entzündet. Weil sie mit hoher Energie abbrannte, gingen die Techniker davon aus, dass die Sprengsätze gefährlich waren. Zu einem chemischen Test, der drei Tage in Anspruch genommen hätte, habe man sich nicht veranlasst gesehen.

Koppers sagte im Ausschuss, sie habe sich zunächst gegen eine Pressemitteilung entschieden, weil sie dies ohne ein abschließendes Untersuchungsergebnis als unseriös empfunden hätte und sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollte, Hysterie zu schüren und die linke Szene zu kriminalisieren. Am 4. Mai habe sie vom Staatsschutz die Auskunft erhalten, dass es noch immer keine sichere Aussage zur Gefährlichkeit gebe. Also habe sie sich dazu entschlossen, am darauffolgenden Montag den Innenausschuss und die Öffentlichkeit zu informieren. Sie habe sich nicht dem Vorwurf der Bagatellisierung des Vorfalls aussetzen wollen, begründete sie. An jenem Montag veröffentlichte die Polizei auch ein Foto der gefundenen Objekte und warnte die Bevölkerung, dass möglicherweise noch weitere dieser Bomben in der Öffentlichkeit herumliegen könnten.

Rohre enthielten andere Substanz als vermutet

„Das Ergebnis des Schnelltests stellte sich jedoch im Nachhinein als falsch heraus“, sagte Koppers vor den Abgeordneten. Denn als am 10. Mai eine der Bomben kontrolliert gezündet wurde, brannte ihr Inhalt langsam und gleichmäßig ab, ohne zu explodieren (wir berichteten). Die Rohre enthielten auch eine andere Substanz als anfangs vermutet und verkündet wurde.

Nach dem angeblichen Rohrbombenfund hatte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, von einem „schockierenden Alarmsignal“ für die Gewaltbereitschaft politischer Straftäter gesprochen. Und der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sah ein „klassisches Vorgehen von Terroristen“.

Grüne und Linkspartei bezeichnen es unterdessen als „unerträglich“, dass es zehn Tage dauerte festzustellen, ob die Sprengsätze gefährlich waren. Innensenator Frank Henkel (CDU) räumt ein: „Bei größerer Sensibilität für die politische und mediale Brisanz hätten die chemischen Untersuchungen sofort beginnen müssen.“ Künftig werde die Lage erst beurteilt, wenn belastbare Laborergebnisse vorliegen.