Weiter warten: Elf Monate bleiben noch.
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BerlinDer 30. Oktober 2011 war ein Sonntag. An diesem Tag sollte der neue Hauptstadtflughafen eröffnet werden, für den die Idee bereits kurz nach dem Fall der Mauer geboren wurde. Der neue Airport sollte die Flughäfen Tegel und Tempelhof ersetzen. Bis zu diesem Sonnabend sind seit dem ursprünglichen Eröffnungstermin exakt 2953 Tage vergangen, an denen nicht ein einziges Flugzeug vom BER anhob oder landete. Und auch die 3000-Tage-Marke wird noch geknackt. Denn noch einmal 330 Tage werden vergehen, bis endlich der erste Flieger am BER Starterlaubnis bekommt. Viele Tage, von denen das Bauprojekt den Steuerzahler an jedem einzelnen mehr als eine Million Euro kosten wird.

Januar 1992: Bei der kurz zuvor von Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg gegründeten Berlin Brandenburg Flughafen Holding beginnen die Planungen für den neuen Flughafen.

März 2003: Nach vergeblicher Suche nach einem privaten Baukonsortium beschließen Berlin, Brandenburg und der Bund, den Flughafen selbst zu bauen.

5. September 2006: Erster Spatenstich für das Flughafen-Projekt, das seinerzeit   „Berlin Brandenburg International“ (BBI) genannt wird. Man legt sich fest: Der Airport werde am Ende insgesamt zwei Milliarden Euro kosten und am 30. Oktober 2011 eröffnet werden.

11. Dezember 2009: Einen Namen gibt es schon mal: Der Flughafen soll Willy Brandt heißen. Der Hauptname lautet „Flughafen Berlin Brandenburg“, der internationale Drei-Buchstaben-Code „BER“.

25. Juni 2010: Der Eröffnungstermin wird erstmals abgesagt. Als Grund wird unter anderem die Pleite eines Planungsbüros genannt. Neuer Termin: 3. Juni 2012.

8. Mai 2012: Keine vier Wochen vor dem neuen Termin erfolgt die zweite Absage. Diesmal gibt es Probleme mit dem Brandschutz. Technikchef Manfred Körtgen und das Generalplanungskonsortium werden entlassen. Drei Jahre wird in einem Bericht des Landesrechnungshofs Brandenburg zu lesen sein, dass der Flughafen im Mai 2012 nur zu 56,2 Prozent betriebsfähig war. Von den 102 Gates waren gerade 26 einsatzbereit. Nun wird der 17. März 2013 als Starttermin für den Flughafen versprochen.

16. August 2012: Auch der dritte Eröffnungstermin muss abgesagt werden. Am 27. Oktober 2013 soll es aber klappen. Die Bauarbeiten sollen bis Ende Mai 2013 beendet sein.

6. Januar 2013: Absage Nummer vier. Technik-Chef Horst Amann bezeichnet die Probleme als „sehr heftig, fast grauenhaft“. Rolltreppen sind zu kurz, in die Lüftung läuft Regenwasser und auch beim Brandschutz gibt es neue Schwierigkeiten. Einen neuen Termin gibt es diesmal aber nicht. Intern ist von 2014, eventuell 2015 die Rede.

16. Januar 2013: Der Flughafen-Aufsichtsrat entlässt Rainer Schwarz als Chef der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Dieser klagt jedoch gegen seine Entlassung, bekommt Recht und weiterhin seine Bezüge, die sich bis Mai 2016 auf 1,02 Millionen Euro summieren.

11. März 2013: Hartmut Mehdorn, ehemals Chef der Deutschen Bahn und der Fluggesellschaft Air Berlin übernimmt die Führung der Airport-Gesellschaft. Der damals 71-Jährige will das Projekt mit einem sogenannten „Sprint“-Programm beschleunigen.

16. August 2013: Mehdorn präsentiert seine Idee von einer Teileröffnung Ende März 2014. Die Fluggäste sollen demnach im alten Flughafen Schönefeld einchecken und mit Bussen zum Wartebereich im Nordpier des BER gebracht werden. Doch bald erweist sich die Idee als untauglich.

23. Oktober 2013: Technik-Chef Horst Amann wird entlassen.

12. Dezember 2014: Hartmut Mehdorn vertröstet um weitere zweieinhalb Jahre und kündigt eine Inbetriebnahme des BER für die zweite Hälfte des Jahres 2017 an. Nur drei Tage später erklärt er seinen Rücktritt. Er begründet seinen Schritt mit mangelndem Vertrauen seitens der BER-Anteilseigner.

März 2015: Der Maschinenbauingenieur Karsten Mühlenfeld wird Mehdorns Nachfolger. Er wechselt von Rolls-Royce Deutschland in Dahlewitz an die FBB-Spitze.

Juni 2016: Der Bericht des Untersuchungsausschusses BER im Berliner Abgeordnetenhaus dokumentiert die Katastrophe: Von Bau- und Planungsfehlern ist die Rede und von Wirklichkeitsverlust und Fehlinformationen. Risiken seien ausgeblendet, Kritiker zum Schweigen gebracht worden.

21. Januar 2017: Auch die für Ende 2017 angekündigte Eröffnung wird kassiert. Neue Probleme sind aufgetaucht. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller fordert einen neuen Zeitplan. Im Frühjahr 2017 müsse der neue Termin feststehen. Wenigstens ein neuer Termin.

6. März 2017: Wieder geht ein FBB-Chef. Karsten Mühlenfeld verlässt die Flughafengesellschaft vorzeitig, nachdem er bei Michael Müller und anderen Aufsichtsratsmitgliedern in Ungnade gefallen war. Am folgenden Tag wird Engelbert Lütke Daldrup, zuvor Staatssekretär und Flughafenkoordinator der Senatskanzlei, als Nachfolger bekanntgegeben.

April 2017: Engelbert Lütke Daldrup legt sich fest: „Das Ziel ist, den BER 2018 zu eröffnen.“

Mai 2017: Lütke Daldrup räumt vor allem Probleme mit der Sprinkleranlage und den zentral gesteuerten Brandschutztüren ein.

Juli 2017: Wasserrohre für die Sprinkleranlagen erweisen sich als zu dünn und müssen ausgetauscht werden. Müller räumt daraufhin erstmals ein, dass der BER möglicherweise erst 2019 starten könnte.

Dezember 2017: Der Aufsichtsrat und der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup verständigen sich darauf, den Flughafen im Oktober 2020 in Betrieb zu nehmen.

Mai 2019: Es wird bekannt, dass Sicherheitskabel im zentralen Medienkanal des Terminals wohl mit falschen Dübeln befestigt wurden. Der Eröffnungstermins Oktober 2020 könne „nicht mehr uneingeschränkt garantiert“ werden, sagt Lütke Daldrup.

29. November 2019: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup legt sich abermals fest und benennt den 31. Oktober 2020 als Eröffnungstermin. Es ist das zehnte Versprechen in einer immer gleichen Sache.