Nach Absage: Islam-Institut übt Kritik an Verhandlungspartnern

Berlin - Vier der fünf großen Islamverbände haben dem geplanten Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität nach langen Verhandlungen eine Absage ereilt. Das sorgt für reichlich Unverständnis und Ärger.

Denn an der HU sollen ab 2019 Religionslehrer für die Berliner Schulen und Imame für die Moscheen ausgebildet werden. Die Verbände, allen voran der von Ankara gesteuerte türkisch-deutsche Moscheeverein Ditib, fordern mehr Mitspracherecht im Beirat des Prestigeprojektes, etwa wenn es um die Berufung von Professoren geht.

Schwierige Verhandlungen

Michael Borgolte, der Gründungsdirektor des Instituts, rechnete am Mittwoch mit der Verhandlungsführung jener Organisationen ab. „Die muslimischen Verbände, wie wir sie erlebt haben, sind nicht wirklich politikfähig“, sagte Borgolte der Berliner Zeitung. „Es gab keine regulären Delegierten, sondern es kamen immer wieder andere Vertreter zu den Verhandlungen.“

Oft seien sie nicht wirklich eingearbeitet gewesen. Unklar sei ihm auch, wie in den Verbänden Entscheidungen zustande kommen. „Auf diese Weise haben wir für eine fünfseitige Kooperationsvereinbarung mit neun Paragrafen ein ganzes Jahr verhandelt.“

Und jetzt lehnen Ditib, die Islamische Föderation und zwei weitere große Islamverbände es ab, den so lange ausgehandelten Kooperationsvertrag für den Beirat zu unterzeichnen. Der Vertrag sei aber nicht nachverhandelbar, betonte Borgolte.

„Die Verbände lassen auf Jahrzehnte eine Chance verstreichen, wenn sie jetzt nicht unterschreiben.“ Er könne derzeit nicht sagen, ob es bei der Ablehnung bleibe, oder ob das nur Taktik sei. „Denn eigentlich wollen die Verbände das Institut genauso wie wir“, betonte Borgolte. „Es würde ihnen eine soziale Gleichwertigkeit gegenüber christlichen Klerikern geben.“

Kritik an Ditib

Im Beirat des Islam-Institutes sollen, wie berichtet, neben fünf Islamverbänden auch vier ebenfalls muslimische Wissenschaftler vertreten sein. Doch von den Verbänden haben bisher nur die Schiiten unterschrieben. Der Beirat stimmt den Berufungslisten von Professoren zu, so wie es auch an den evangelischen oder katholischen Universitäts-Instituten üblich ist.

„Im Kern geht es darum, dass die fünf Verbände derzeit mindestens noch einen der vier wissenschaftlichen Vertreter benötigen, um mehrheitsfähig zu sein“, erläutert der 69-jährige Historiker Borgolte. Doch auch alle Vertreter aus der Wissenschaft, die namentlich noch nicht feststehen, würden dem Islam angehören. „Dennoch beansprucht Ditib so etwas wie die Hauptvertretung des Islam in Deutschland“, zeigte sich Borgolte verärgert. „Das können wir aber nicht mit uns machen lassen.“ Eine Universität sei schließlich eine staatliche und wissenschaftliche Einrichtung. „Da können sich auch die islamischen Verbände nur begrenzt einmischen.“

Der Beirat muss aber der Berufungsliste der ausgewählten Professoren mit Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen. „In Münster gab es einmal den Fall, dass ein Islamwissenschaftler vom strengen Glauben abgefallen ist“, erläutert Borgolte. „So etwas hat bei den Verbänden Befürchtungen geweckt.“ Der dortige Gelehrte interpretiert den Islam sehr liberal.

Hamburg macht es anders

Die Grünen-Politikerinnen Anja Schillhaneck und Bettina Jarasch forderten angesichts der Entwicklung einen Neustart. „Ein Rat der Moscheegemeinden nach Hamburger Vorbild könnte legitimierte Vertreter in den Beirat schicken“, forderten sie. Borgolte entgegnete, es bleibe keine Zeit, eine Art Moslem-Parlament einzurichten.

Auch die CDU kritisierte die Islamverbände. „Wir wollen keine Ditib-Theologen ausbilden, wir wollen Theologen, die wissenschaftlich fundiert das breite Spektrum des Islams und der hier lebenden Muslime abdecken“, machte Bildungspolitikerin Hildegard Bentele klar. Der Senat habe den Verhandlungsprozess von Beginn an falsch aufgesetzt, auf Vertreter des liberalen Islam verzichtet. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) müsse in seiner Eigenschaft als Wissenschaftssenator die Angelegenheit jetzt vor dem Krisentreffen am 13. April zur Chefsache machen.