Berlin - Am Tag danach sitzt der Schock tief bei der Gewerkschaft Deutsche Journalisten Union (DJU). Deren Landesgeschäftsführer Jörg Reichel war am Sonntag bei den „Querdenken“-Protesten angegriffen worden. „Er ist aus dem Krankenhaus entlassen, ihm geht es den Umständen entsprechend körperlich gut“, sagt Bundesgeschäftsführerin Monique Hofmann auf Nachfrage, „aber er ist natürlich traumatisiert.“

Sie schildert die Vorgänge folgendermaßen: Reichel sei mit dem Fahrrad vor einem Demo-Zug in der Köthener Straße nahe des Potsdamer Platz hergefahren und habe mit dem Handy eine Aufnahme machen wollen. Ein Mann und eine Frau hätten ihn daraufhin attackiert, das Handy sei dabei zu Bruch gegangen. Reichel habe zunächst fliehen können, wurde dann mit einem dritten Angreifer vom Fahrrad gestürzt. In Schutzhaltung sei er am Boden gelegen, dort sei auf ihn eingetreten worden, bis ihm mehrere Passanten zu Hilfe eilten.

Fotos dokumentieren den Angriff auf Reichel

„Es gibt Fotos von dem Vorfall, die wir der Polizei zur Verfügung gestellt haben“, sagt DJU-Chefin Hofmann. „Jörg Reichel hat noch im Krankenhaus Anzeige erstattet.“ Möglicherweise werde das Landeskriminalamt (LKA) wegen einer politisch motivierten Tat ermitteln.

Jörg Reichel ist als Gewerkschafter öfter bei Demonstrationen anwesend, um Pressearbeit zu gewährleisten, berichtet darüber auch auf DJU-Medien. In der „Querdenken“-Szene ist sein Name bekannt, Bilder von ihm kursieren im Internet. „Es ist möglich, dass sie Jörg Reichel erkannt haben“, sagt ein Augenzeuge, der nicht genannt werden will, „vorher gab es ‚Petze, Petze!‘-Rufe in seine Richtung.“ Einer der Angreifer sei vermummt gewesen, es habe gewirkt, als hätten sie den Demo-Zug angeführt.

Die Polizei sei in dem Moment weit und breit nicht zu sehen gewesen, um einzugreifen.

Gewerkschafter fordern härtere Strafen

„Wir sehen leider immer wieder, dass die Aggressionsbereitschaft steigt, Polizisten und Presseleute beleidigt, bespuckt und angegriffen werden“, sagt DJU-Chefin Hofmann. „Dass ein Gewerkschafter angegriffen wird, ist eine neue Dimension.“ Neben Presseschutzzonen, die es auf angemeldeten Demonstrationen anders als am Sonntag bereits gibt, und mehr Zusammenarbeit unter Medienvertretern fordert Hofmann härte Strafen für Attacken auf Journalisten.

„Wir brauchen eine konsequente Verfolgung mit Schwerpunktstaatsanwaltschaften.“ In den Niederlanden seien die Strafen doppelt so hoch bei Angriffen auf Grundrechtsträger, ähnlich wie in Deutschland bei Attacken auf die Polizei.