Berlin - Trotz der zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen für den Berlin-Marathon am 28. und 29. September wird der Lauf eine Sportveranstaltung bleiben. Das betonte am Donnerstag Jürgen Lock, der Geschäftsführer des Veranstalters SCC Events. „Der Charakter darf nicht in einen Hochsicherheitstrakt ausarten.“ Das Sicherheitskonzept werde derzeit mit dem Bezirk Mitte und der Polizei abgestimmt. Nach Informationen der Berliner Zeitung wird es zum Berlin-Marathon bis Ende August eine Sicherheitskonferenz mit allen Beteiligten geben.

Zum Jubiläumslauf, der SCC Events organisiert den Berlin-Marathon in diesem Jahr zum 40. Mal, wird es wie berichtet so scharfe Sicherheitsvorkehrungen wie noch nie geben. Der Start- und Zielbereich am Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni wird weiträumig mit einem Zaun abgesperrt, wie es bei anderen Großveranstaltungen üblich ist.

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Einen unkontrollierten Zugang wird es nicht mehr geben. An den Eingängen werden Taschen und Rucksäcke durchsucht. Zudem werden Start und Ziel mit Kameras überwacht. Die Bilder laufen in einer neuen Koordinierungsstelle zusammen, in der Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Bezirk und gegebenenfalls des Bundeskriminalamtes sitzen.

Die Bundesbehörde soll Großveranstaltungen am Brandenburger Tor als „potenzielle Anschlagsziele“ eingestuft haben. Deshalb bekräftigt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU): „Sicherheit ist nicht verhandelbar.“

Mit dem schärferen Sicherheitskonzept reagieren die Behörden und der Veranstalter auf den Bombenanschlag beim Boston-Marathon Mitte April. Damals waren bei zwei Detonationen drei Menschen getötet und 264 teils schwer verletzt worden. Eine Lehre aus Boston ist: „Die Polizei und wir müssen viel enger zusammenarbeiten“, sagt Lock.

Boston habe aber auch gezeigt, dass eine hundertprozentige Sicherheit nicht möglich ist. Es gebe eine abstrakte Erhöhung der Gefährdungslage, Hinweise auf Berlin gebe es aber nicht. „In Berlin brauchen sich die Läufer keine Sorgen zu machen, der Marathon wird so wie immer ablaufen. Wir hatten auch bisher einen hohen Sicherheitsstandard, der international anerkannt ist“, sagt Lock. Etwa 300 Security-Leute werden im Einsatz sein, es gibt 800 Ordner. Auch die medizinische Versorgung mit Ärzten und Sanitätern an der Strecke sei hervorragend.

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Nach Ansicht des SCC müssen einige Überlegungen noch diskutiert werden. Den Läufern könne zum Beispiel nicht verwehrt werden, eigene Taschen und Getränke in den Startbereich mitzunehmen. „Diese Freiheit muss sein, sie macht gerade Berlin aus“, so Lock. Auf eine Änderung aber müssen sich die Teilnehmer einstellen.

Wenn sie sich vor dem Lauf akkreditieren und ihre Startnummer auf dem Messegelände abholen, erhalten sie sofort ein Bändchen um das Handgelenk. Sie müssen es bis zum Lauf tragen, ohne Band kommt keiner der 40 000 Läufer auf das Veranstaltungsgelände.

„Wir wollen wissen, ob die Person, die die Startnummer abgeholt hat, auch die ist, die läuft.“ Zuletzt hatte es beim Halbmarathon und beim Velothon Zwischenfälle gegeben: Beim Halbmarathon etwa war ein Läufer tot zusammengebrochen, er konnte lange nicht identifiziert werden, weil er die Startnummer einer Frau trug. Mit dem Band will der SCC so etwas ausschließen und dem vereinzelten Handel von Startnummern auf dem Schwarzmarkt einen Riegel vorschieben.

Lock selbst war während der Explosionen in Boston und hat beobachtet, dass nach dem Anschlag viel zu viele Menschen herumgelaufen sind und sich in Gefahr gebracht haben. Wenig später ist er den London-Marathon gelaufen. „Dort gab es keinen Hochsicherheitstrakt."