Berlin - Zu dem Brandanschlag, der am Donnerstag für Chaos bei der S-Bahn sorgte, bekennen sich nun Linksradikale auf der Seite Indymedia. Darin kritisieren die Brandstifter die Gesellschaft für ihr fehlendes Verständnis und solidarisieren sich mit den Flüchtlingen der Ohlauer Straße sowie der Gürtelstraße. Die Reparaturen werden wohl die nächsten Tage noch andauern. Der Alarm bei der Feuerwehr ging um 4.02 Uhr ein. Von einer Mobilfunknummer aus wurde sie zur Parkwegbrücke gerufen. Über die Brücke führt die S-Bahn-Strecke von Treptow nach Friedrichshain. Auf der Treptower Seite stand neben den Gleisen ein Kabelschacht in Flammen.

Der Brand war schnell mit einer Kübelspritze gelöscht. Doch das kleine Feuer hatte eine große Wirkung im bald darauf einsetzenden Berufsverkehr. Die S41, S42, S8, S85 und S9 zwischen Ostkreuz und den Bahnhöfen Neukölln und Baumschulenweg wurden unterbrochen, was Auswirkungen auf das gesamte S-Bahn-Netz hatte. Es wird nach Angaben der S-Bahn an Werktagen durchschnittlich von 1,4 Millionen Fahrgästen benutzt.

Die S-Bahn Berlin GmbH richtete auf den unterbrochenen Linien Schienenersatzverkehr ein. Die S47 fuhr nur zwischen den Bahnhöfen Spindlersfeld und Schöneweide. Kriminaltechniker fanden vor Ort Spuren eines Brandbeschleunigers. „Wir gehen davon aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf.

Täter nicht gefasst

Wegen der beschädigten Kabel ist unter anderem ein Stellwerk im Bereich der Frankfurter Allee beeinträchtigt. Zudem sind mehrere Weichen außer Betrieb. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Sonntagvormittag die Reparaturen abgeschlossen haben“, sagte ein S-Bahn-Sprecher. Es sei sehr filigrane Arbeit zu leisten. Die 20 beschädigten Signalkabel haben nach seinen Worten bis zu 160 Adern.

„Erst wenn alles zusammengefügt ist und funktioniert, lassen wir wieder Züge fahren“, sagte der Sprecher. Die S-Bahn bat ihre Fahrgäste, vor allem in den Hauptverkehrszeiten mehr Fahrzeit einzuplanen. Zudem solle man auf U-Bahn und andere S-Bahn-Strecken ausweichen. Denn die 30 Ersatzbusse würden keinesfalls ausreichen.

„Dieser Anschlag trifft zuallerst unendlich viele Berliner und Brandenburger, denen auf diese Weise die Fahrt zur Arbeit, zur Schule, zum Ausbildungsplatz, erschwert wird“, kommentierte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Berlin, Ingulf Leuschel, die Tat.

Die Ermittlungen zu dem Anschlag übernahm der für die Verfolgung politisch motivierter Straftaten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt. In den vergangenen Jahren hatte es mehrere politisch motivierte Brandanschläge auf die S-Bahn in Berlin gegeben. Der Streckenabschnitt an der Parkwegbrücke stand bereits im Mai 2012 in Flammen.

Auch damals brannten Kabelbäume in dem selben Leitungsschacht. Die 20 Zentimeter breite und 40 Zentimeter lange Kabelstrecke ist leicht zugänglich. Nach dem Feuer war es damals ebenfalls zu etlichen Zugausfällen und tagelangen Verspätungen gekommen.

Unbekannter Koffer schürt das Chaos

Zusätzlich zum Brandanschlag sorgte ein herrenloser Koffer auf dem S-Bahnhof Herrmannstraße in Neukölln am Nachmittag für weitere Unterbrechungen. Der südliche Ringverkehr wurde unterbrochen, auch die U-Bahnlinie U8 war davon betroffen. Fahrgäste mussten auf die Linie U7 ausweichen oder zu Fuß weitergehen. Gegen 18.30 Uhr gab die Polizei dann Entwarnung. Von dem Koffer ging keine Gefahr aus. Seitdem fahren S- und U-Bahnen in dem Bereich wieder sehr eingeschränkt.

Nicht der erste Brandanschlag

Auch andere Brandanschläge mit schwerwiegenden Folgen gab es: So hatten unter anderem im Oktober 2011 Unbekannte an neun verschiedenen Stellen des Berliner Bahnnetzes Brandsätze deponiert, die zum Teil auch hochgingen. Mit dieser Aktion protestierten sie gegen den Krieg in Afghanistan. Im Mai 2011 zündeten Unbekannte am Ostkreuz eine Kabelbrücke an.

Durch den Ausfall der Signalkabel wurde fast der gesamte S-Bahn-Verkehr in Berlin lahm gelegt. Zudem zerstörte der Brand auch Kommunikationskabel, so dass Handynetze und Internet-Knoten ausfielen. Unter anderem fielen die Telefone und das Netz in einem Krankenhaus aus. Mit dem Anschlag wollten die Täter ihre Abneigung gegen die Atomindustrie demonstrieren. Die Urheber der Anschläge wurden nicht gefasst.

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