Nach Brandbrief von Theater-Chef Bernd Schmidt: AfD will Mittel für Friedrichstadt-Palast kürzen

Mehrere Berliner Theater können in den kommenden Jahren mit höheren Zuschüssen aus der Landeskasse rechnen als bisher geplant. Der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses beschloss am Montag in Zweiter Lesung des Kulturetats einen Nachschlag von jeweils 200 000 Euro jährlich etwa für die Neuköllner Oper, die Tanztheatercompagnie Constanza Macras/Dorky Park und das Musiktheater Nico and the Navigators.

Für das Theater Hebbel am Ufer (HAU) sind sogar jeweils 300.000 Euro mehr als im Senatsentwurf vorgesehen. Das Geld soll vor allem der Zusammenarbeit mit der freien Szene zugute kommen. Ein Notfalltopf für die Programmarbeit von Kinder- und Jugendtheatern wurde um insgesamt 350.000 Euro für 2018/19 aufgestockt.

„Gesinnungs- und Propagandatheater“

Die Beschlüsse gehen auf Änderungsanträge der rot-rot-grünen Koalition zurück. In einigen Fällen unterstützten auch CDU und FDP die Anliegen. Das Gesamtpaket wird noch im Hauptausschuss beraten. Die endgültige Verabschiedung des Landeshaushalt ist für den 14. Dezember im Plenum geplant.

Die Opposition kam mit eigenen Anträgen kaum durch. Einhellig abgelehnt wurde vor allem die Forderung der AfD, dem Friedrichstadt-Palast, dem Deutschen Theater und dem Gorki Theater die Zuschüsse zu kürzen. Der AfD-Abgeordnete Hans-Joachim Berg warf den Verantwortlichen der Häuser vor, mit Steuergeldern „Gesinnungs- und Propagandatheater“ zu betreiben.

Sein Fraktionskollege Dieter Neuendorf sagte, die Kürzung für den Friedrichstadt-Palast solle dem Theaterintendanten Berndt Schmidt Gelegenheit geben, sein Demokratieverständnis zu überdenken.

Eingriff in die Freiheit der Kunst

Schmidt hatte in einer Mail an die Mitarbeiter geschrieben, die Showbühne werde sich künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent der potenziellen Kunden im Osten abgrenzen. „Ich will all deren Geld nicht“, hieß es in dem Brief. Der Intendant hatte damit im Netz einen Shitstorm ausgelöst.

Die Linken-Abgeordnete Regina Kittler wies die AfD-Kürzungsanträge als „Eingriff in die Freiheit der Kunst“ zurück. Ihr Grünen-Kollegen Daniel Wesener sagte an die Adresse der AfD: „Sie bewegen sich hier außerhalb unseres demokratischen Konsenses.“

Insgesamt sollen die Kulturausgaben nach dem Entwurf des Senats im kommenden Jahr um 52 Millionen Euro steigen. Für 2019 ist ein Plus von 67 Millionen Euro geplant. (dpa)