Politiker der Berliner Linken haben Geld für die Straßenmusikerin Elen Wendt gesammelt und es ihr am Sonnabend auf dem Alexanderplatz übergeben. „1000 Euro Strafe sind heftig für eine Straßenmusikerin und wir wollen mit der Spende Solidarität zeigen", sagte Linken-Parteichef Klaus Lederer, der die Musikerin kennt und gemeinsam mit Linke-Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich die Aktion initiierte.

Hintergrund ist die 1000 Euro Buße, die das Amtsgericht Tiergarten am Mittwoch über die Künstlerin verhängte, weil sie aus Sicht des Gerichts gegen das Straßengesetz der Hauptstadt verstoßen hatte. Wendt hatte beim Musizieren auf dem Alexanderplatz, an der Friedrichstraße und am Hackeschen Markt einen Gitarrenkoffer auf die Straße gestellt, wofür sie aus Sicht des Bezirksamts Mitte eine Sondernutzungserlaubnis gebraucht hätte. Fünf Fälle mit einer Buße von jeweils 200 Euro summierten sich so auf die Gesamtstrafe von 1000 Euro.

"Ich bin auch zum Bezirksamt gegangen und habe nach der Sondererlaubnis gefragt", schildert die 26-jährige Wendt, die sich als Künstlerin nur "Elen" nennt und auf ihren Nachnamen verzichtet. Beim Amt habe man ihr allerdings gesagt, dass Straßenkünstlern keine Sondernutzung erlaubt würde. "Das ist absurd. Ich habe ja nichts gegen Regeln, aber der Mensch muss fähig sein, sie zu befolgen", so Wendt.

Kommerzielle Feste und Veranstaltungen

Die Musikerin kritisiert die unterschiedliche Handhabe der Bezirke mit der Straßenmusik. An der Schönhauser Allee, wo sie besonders häufig spielt und der Bezirk Pankow zuständig ist, habe sie weniger Probleme mit dem Ordnungsamt als in Mitte. Berliner Linke-Chef Lederer kommentiert das sarkastisch: "Ist wirklich eine Musikerin am Alex das Problem? Der Platz, der an acht von zwölf Monaten im Jahr mit kommerziellen Festen und Veranstaltungen zugerummelt wird?“, fragt er. Lederer und Liebich sehen einen falschen Schwerpunkt seitens der Berliner Verwaltung gelegt, die mit knappem Personal dringendere Probleme zu lösen habe.

"Besonders in den letzten Jahren haben die Kontrollen angezogen", schildert Wendt, die seit etwa neun Jahren Straßenmusik macht. "Dabei hat sich die Straßenmusikszene total gewandelt, es sind viel mehr gute Leute mit kreativen Ideen dabei als früher." Straßenkunst übernimmt für sie in einer Großstadt auch eine soziale Funktion. "Sie liefert einen Grund, vom Smartphone aufzuschauen und stehenzubleiben. Dabei kommen Leute mit verschiedensten Hintergründen ins Gespräch - und auch die, die sich Konzertsäle normalerweise nicht leisten können, haben etwas davon."