Berlin - Ostsee? Bloß nicht daran denken! Auf absehbare Zeit wird es für Berliner nicht möglich sein, zur geliebten Badewanne Usedom, nach Rügen oder zu anderen Zielen zu reisen. Weil auch in Mecklenburg-Vorpommern die Corona-Inzidenzen steigen, sind weder Tagesauflüge noch Urlaubsaufenthalte erlaubt. Doch die Hoffnung bleibt. Irgendwann, hoffentlich noch in diesem Jahr, werden Reisen ans Meer wieder möglich sein. Mit dem Ostsee-Ticket der Bahn allerdings nicht, denn das Bundesunternehmen streicht dieses praktische Sonderangebot.

Unverhohlen teilt die Bahn mit, dass dieses Ticket zu flexibel war. Ohne sich auf bestimmte Züge festlegen zu müssen, dürfen die Fahrgäste nicht nur den Regional-, sondern auch den ICE nach Binz, den Intercity nach Warnemünde nutzen. Das habe dazu geführt, dass es in manchen Zügen zu voll wurde, hieß es. Man kann es auch so formulieren: Die Bahn wurde Opfer des eigenen Erfolgs.

So wie der Usedom-Express, der von Berlin bis kurz vor die Insel nach Wolgast fuhr. Der Regionalzug war mit meist gut mit Käufern des Wochenendtickets gefüllt – bis die Bahn ihn 1998 einstellte, weil er dem Fernverkehr Konkurrenz machte. Stattdessen ließ sie einen Fernzug fahren, in dem aber höhere Preise galten. Weil er kaum beworben und genutzt wurde, fuhr er 1998 zum letzten Mal.

Dass der Schienenverkehr auf den im Sommer gut frequentierten Verbindungen ans Meer auch vor Corona nur eine untergeordnete Rolle spielte, liegt auch an dem lückenhaften Angebot. Meist sind die Fahrgäste auf Regionalzüge angewiesen, die vor Corona oft überfüllt waren. Die neue Intercity-Linie 17 hat zumindest das Angebot nach Warnemünde verbessert, aber nach Usedom und Rügen bleibt die Reise meist unbequem. Noch bevor der Tourismus wieder losgeht, sollten sich Bahn und Tourismusverbände über eine Neuordnung unterhalten.