Berlin - Zäune, Alarmsysteme oder Videotechnik: Nach dem Terroranschlag von Halle hält Berlins Polizeipräsidentin auch technische Lösungen zum Schutz jüdischer Einrichtungen für nötig. „Es ist deutlich geworden, dass jüdische Einrichtungen einen hochprofessionellen Schutz brauchen, natürlich skaliert nach Gefährdung“, sagte Barbara Slowik am Dienstag.

Der Schutz müsse zu einem erheblichen Teil technisch gewährleistet werden, immer ergänzt durch eine personelle Komponente. „Die Rettung wird nicht darin liegen, überall Polizeikräfte aufzustellen“, sagte Slowik. Es bäten jetzt viele jüdische Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen um mehr Polizeischutz. „Das kann ich sehr gut nachvollziehen, wir kommen dem auch nach“, so die Behördenleiterin.

Möglichkeiten einzelner Objektschützer sind begrenzt

Möglichst viel Polizeipräsenz bereitzustellen, werde mittelfristig nur begrenzt gelingen. „Ich bin der Auffassung, dass die technische Sicherung durchaus auch fast einen höheren Schutz bietet.“

Ein schwer bewaffneter Mann hatte am vergangenen Mittwoch versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, in der mehr als 50 Gläubige den Feiertag Jom Kippur begingen. Als das misslang, erschoss er eine Passantin sowie einen Mann in einem Dönerladen. Der Täter handelte aus antisemitischen und rechtsextreme Motive an.

Wenn ein Attentäter unvermittelt losschlage, seien auch die Möglichkeiten einzelner Objektschützer vor Ort begrenzt, gab die Polizeipräsidentin zu bedenken. Die Frage sei, wer die Kosten trägt. „Die Polizei kann es kaum tragen“, sagte Slowik.

Schutz erhielten derzeit 55 Einrichtungen oder Objekte, hieß es von der Polizei. Elf Einrichtungen seien bereits vor dem Anschlag stationär rund um die Uhr geschützt worden – vorübergehend sei die Anzahl auf 16 erhöht worden. Elf weitere Einrichtungen würden zu ihren Öffnungszeiten von Einsatzkräften bewacht, bei den restlichen kämen mobile Kräfte „mit teils hoher täglicher Abfolge“ vorbei, hieß es. (dpa)