Der Pop-up-Radweg auf der Petersburger Straße war eine der ersten Anlagen dieser Art.
Foto: Berliner Zeitung/ Volkmar Otto

BerlinGelbe Markierungen auf die Fahrbahn kleben, Warnbaken aufstellen – fertig ist der Pop-up-Radweg. Aufwendig sind sie nicht, die temporären Radfahrstreifen, die im Zeichen der Corona-Krise entstanden sind. Und mit bald 22 Kilometern sind sie im Vergleich zum gesamten Berliner Straßennetz, das sich auf eine vierstellige Kilometerzahl summiert, auch nicht lang. Doch sie sorgen für Streit.

Radfahrer freuen sich, dass auf Straßen, auf denen sie bislang von Kraftfahrern gefährdet wurden, endlich Platz für sie abgesteckt wird. Dagegen sehen viele Autofahrer die neuen Radler-Reservate als Affront und als unübersehbares Zeichen dafür, dass sich die Verkehrspolitik nun gegen sie richtet.

Als Verwaltungsleute zu Beginn der Corona-Krise beherzt die Chance nutzten, Platz zugunsten der Radfahrer umzuverteilen, bekamen sie Beifall. Inzwischen hat sich das Bild allerdings differenziert. Trotz des Wetters werden die neuen Radfahrstreifen längst nicht überall so stark genutzt, dass ihre Berechtigung ohne weiteres klar wird. Auf der Kantstraße werden mit dem Rad- und dem wichtigeren Nahverkehr umweltfreundliche Verkehrsträger gegeneinander ausgespielt. Bus-Nutzer ärgern sich darüber, dass sie im Stau stehen, während die Pop-up-Radwege meist leer bleiben. Der Unfall am Mittwoch auf der Petersburger Straße lässt die Frage aufkommen, ob das Schutzversprechen nicht trügerisch ist. Die Radfahrerin, die von einem abbiegenden Lkw getötet wurde, war auf einem Pop-up-Radweg unterwegs.

Absehbar ist, dass alle temporären Radfahrstreifen dauerhaft bleiben. Es wäre besser gewesen, sie ausdrücklich als Tests zu begreifen, die nach einem Jahr evaluiert werden. Ebenso wichtig ist es, nun auch Zeichen für einen besseren Nahverkehr zu setzen. Neue Busspuren, die seit langem versprochen sind, müssen endlich markiert werden.